Washington und Kiew sind sich über die wichtigsten Fragen des US-Friedensplans einig geworden. Nach den Worten des russischen Außenministers Sergej Lawrow muss ein überarbeiteter Friedensplan die Absprachen zwischen den Präsidenten Wladimir Putin und Donald Trump jedoch widerspiegeln. Die Europäer sieht er bei der Lösung nicht.
Es ist erschütternd: Trotz der umfassenden Friedensbemühungen griff Russland die Ukraine in der Nacht auf Dienstag massiv aus der Luft an, vor allem die Hauptstadt Kiew. Dort kamen mindestens sieben Menschen ums Leben. Entgegen den Querschüssen aus Moskau dürften die USA und die Ukraine dennoch auf einen grünen Zweig gekommen sein: Noch im November soll eine Visite von dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj in Washington stattfinden. Ziel sei es, die letzten Etappen des Abkommens zu erörtern und eine Vereinbarung mit Trump zu erzielen.
In den USA zitierten mehrere Medien einen nicht namentlich genannten Regierungsbeamten mit dem Satz: „Die Ukrainer haben dem Friedensabkommen zugestimmt.“ Es seien noch „einige kleine Details zu klären“, erklärte er laut ABC News und CBS News. In Abu Dhabi tagten Berichten zufolge am Dienstag hochrangige Mitglieder der US-Regierung mit einer russischen Delegation.
Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, schrieb auf Social Media, es gebe „einige heikle, aber nicht unüberwindbare Details, die geklärt werden müssen und weitere Gespräche zwischen der Ukraine, Russland und den Vereinigten Staaten erfordern“.
„Unsere Delegationen haben eine Übereinkunft über die wichtigsten Bestimmungen des in Genf ausgehandelten Abkommens erzielt“, so der Sekretär des nationalen Sicherheitsrats der Ukraine, Rustem Umjerow. Wie Selenskyj nach einem Telefonat mit dem britischen Premier Keir Starmer betonte, gibt es „viele Aussichten“ auf einen Frieden. Es gebe „solide Ergebnisse“, aber es liege noch viel Arbeit vor allen Beteiligten.
Lawrow fordert „Geist und Buchstaben“ von Alaska-Gipfel
Nach den Worten des russischen Außenministers Lawrow muss ein überarbeiteter Friedensplan die Absprachen zwischen den Präsidenten Putin und Trump widerspiegeln. Der Plan müsse dem „Geist und Buchstaben“ der Verständigung vom Gipfeltreffen in Alaska entsprechen, so Lawrow in Moskau. Russland warte auf eine geänderte Fassung des US-Plans, nachdem sich Washington mit der Ukraine und Europa abgestimmt habe. Sollte diese von der Absprache abweichen, ergebe sich für Russland eine völlig andere Lage.
Seiner Meinung nach hätten die Europäer ihre Gelegenheit verspielt, an einer Lösung mitzuwirken. „Ihr hattet eure Chancen, Leute“, wetterte Lawrow russischen Agenturen zufolge. „Ihr habt diese Chancen nicht genutzt, ihr habt sie einfach vertan“, führte er mit Bezug auf das Minsker Abkommen aus.
Die Minsker Friedensverhandlungen waren ein diplomatischer Prozess zur Befriedung des Konflikts im Osten der Ukraine, der im Jahr 2014 begann. Die unter Vermittlung Deutschlands und Frankreichs geschlossenen Abkommen von 2014 und 2015 sahen unter anderem eine Autonomie für den Donbass vor.
Jetzt könne von einer Vermittlung Deutschlands und Frankreichs keine Rede mehr sein, meckerte Lawrow. Unter den Vermittlern schätze Moskau die Positionen von Belarus, der Türkei und Ungarn. Außerdem die USA, die „im Unterschied zu London, Brüssel, Paris, Berlin“ die Initiative ergreife, um Lösungswege zu finden.
Kritik an Trump-Plan
In der Ukraine und bei europäischen Verbündeten war Trumps 28-Punkte-Plan reserviert aufgenommen worden. Kritiker sehen darin weitgehende Konzessionen an russische Kriegsziele wie große Gebietsannexionen, Rüstungsbeschränkungen für die Ukraine sowie am dauerhaften Verbot eines NATO-Beitritts. Allerdings sind die USA am Wochenende der Ukraine entgegengekommen. Unterhändler einigten sich auf einen „verfeinerten Friedensrahmen“. US-Außenminister Marco Rubio sprach nach Verhandlungen in Genf von „enormen Fortschritten“.
Militärexperte: „Atemberaubende Arroganz und Inkompetenz“
Der Militärexperte Gerald Karner bestätigt auf X, dass die Annahme des ursprünglichen Vorschlags eine Kapitulation der Ukraine bedeuten würde. Karner sagt, dass der 28-Punkte-Plan „eine geschickte nachrichtendienstliche Operation Russlands war“. Das Papier verstoße gegen über 70 die USA bindende internationale Abkommen, darunter den NATO-Vertrag.
„Dass es russischen Akteuren so leicht gemacht wird, die atemberaubende Arroganz und Inkompetenz der gegenwärtigen US-Administration auf eine derartige Weise auszunutzen, birgt gewaltige innen- und außenpolitische Sprengkraft“, so Karner. In dieser Situation seien „die ruhigen, aber bestimmten Reaktionen europäischer Politiker“ ein Stabilitätsfaktor. „Dies könnte die Stunde Europas und auch noch zum Bumerang für Putin werden“, meinte der Experte.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.