Der Hype geht weiter

Electric Callboy sind noch „dieselben Vollidioten“

Musik
21.11.2025 06:00

Seit der Umbenennung zu Electric Callboy vor etwas mehr als drei Jahren steigt die Erfolgskurve des deutschen Techno-Metalcore-Geschwaders unaufhaltsam nach oben. Nico Sallach und Kevin Ratajczak rekapitulieren die Erfolgsjahre und geben einen Ausblick auf die nähere Zukunft – die mehrmals nach Österreich führt.

kmm

Aus der allerschwersten Existenzkrise entstand der größte Erfolg – so lässt sich der Beginn der Corona-Pandemie Anfang 2020 im Falle dieser Band zusammenfassen. Nicht genug, dass das Virus den Konzertbetrieb auf der ganzen Welt lahmlegte, bei Eskimo Callboy, immerhin seit Jahren durchaus erfolgreiche Metalcore-Band aus Deutschland, verließ Sebastian „Sushi“ Biesler die Band. Kevin Ratajczak fand relativ schnell Nico Sallach, man versuchte sich für den Song Contest zu qualifizieren und verstärkte fortan den klanglichen Schritt in Richtung Techno und Elektronik. 2022 änderte die Band ihren Namen in Electric Callboy – ein Resultat aus der immer harscher werdenden Kritik von außen, das kontroverse Wort „Eskimo“ könne man auch nicht mehr im Scherz verwenden. Wo die einen noch dachten, Electric Callboy würden einer Wokeness-Offensive zum Opfer fallen, haben andere schnell gemerkt, dass damit auch frischer Wind durch das Bandcamp zieht.

Vertrauensvorschuss bestätigen
Anhand der österreichischen Auftritte kann man ganz gut sehen, wie rapide die Band aufgestiegen ist. War man im Frühling 2022, bei der ersten Live-Rutsche als Electric Callboy, noch in einer rappelvollen Wiener Arena zu Gast, füllt man dreieinhalb Jahre später die Wiener Stadthalle. Und das auch nicht irgendwie, denn die gut 15.000 Karten sind seit Wochen weg. Dazwischen liegen gefeierte Auftritte am Nova Rock und Frequency. Diesen Juni war man erstmals gar Headliner auf der Blue Stage, der Nova-Rock-Hauptbühne, was den beiden Frontmännern noch immer nicht geheuer ist, wie sie der „Krone“ im Gespräch vermitteln. „Da sitzt man im Backstage und schaut auf das Festivalplakat und weiß nicht genau, was man hier eigentlich tut“, lachen beide, „das sind alles richtige Legenden und wir wissen, das Publikum hat uns einen großen Vertrauensvorschuss gegeben. Den müssen wir mit harter Arbeit erfüllen. Dass die Headliner bei Rock- und Metalfestivals oft schon im musealen Alter sind, nimmt Sallach schmunzelnd zur Kenntnis. „In Bandjahren gibt’s uns auch schon ziemlich lange. Den Rest besorgen gute Gesichtscremes.“

Wenn man den alten Namen dazurechnet, sind die Callboys schon 15 Jahre im Geschäft. „So ein Headliner-Slot wie beim Nova Rock, das ist quasi das Champions-League-Finale“, bestätigt Ratajczak mit einer Fußball-Metapher, „da musst du zeigen, dass du auf den Rasen gehörst und mit den ganz Großen mitspielen kannst. Aber genau das haben wir jeden Abend vor. Wir haben das Mindset, dass wir auf die Bühne gehen und dort alles lassen, was in uns ist. Weniger geht nicht. Gerade bei sommerlichen Open-Airs. Die Leute haben Bock, andere große Bands legen kräftig vor und wollen besser sein als du.“ Mit ihrer Mischung aus Party-Techno und ballernden Metalcore haben es Electric Callboy auch in den USA zu einer gewissen Größe geschafft – was für Acts aus dem deutschsprachigen Raum nur äußerst selten zutrifft. „Das ist natürlich geil und eine schöne Bestätigung für unsere Arbeit. Wesentlich angespannter sind wir aber, weil wir an uns selbst die höchsten Ansprüche stellen.“

Als Band gewachsen
Vor allem bei eigenen Konzerten liegt die Messlatte freilich höher, schließlich bezahlen die Menschen ihren Eintritt ausschließlich für den Headliner. „Nach all den Jahren haben wir eine gewisse Routine entwickelt, aber so richtig hibbelig werden wir noch immer, wenn Familie und Freunde da sind. Gerade seine Liebsten will man mit seiner Arbeit stolz machen. Uns ist bewusst, dass uns die Familie nicht analysiert, aber man will zeigen, was man kann und dass die Eltern früher umsonst gezittert haben, als man die Musik zum Lebensmittelpunkt erkor.“ Bei den ausufernden Shows mit Pyroeffekten, Konfetti und wechselnden Lichtbedingungen lässt es sich als Musiker zwischendurch gut verstecken. „Vor jeder Show habe ich im Kopf, dass ich das alles nicht verkacken darf“, so Sallach, „wir pushen uns vor einem Konzert gegenseitig und wollen zeigen, dass wir es können.“ Für viele Rockfans sind Electric Callboy noch immer ein relativ unbeschriebenes Blatt. „Die Underdog-Rolle kann schön sein, aber wir sind als Band gewachsen und haben an Selbstbewusstsein dazugewonnen.“

Bei all dem kunterbunten Klimbim für eine ausladende Liveshow wissen die Jungs aber auch, dass das Ende der Fahnenstange irgendwann erreicht ist. „Natürlich kann man produktionstechnisch immer noch ein Scherflein dazulegen, aber die Dinge sind auch eine Frage des Budgets. Wenn man sieht, was die Big Player der Musikindustrie so auf die Bühne stellen, ist das schon inspirierend. Bei uns fühlt sich das gerade wie so eine schöne Mitte an – rein physisch sind wir mit unserer Show aber bald am Maximum angekommen.“ Seit Sommer trommelt Frank Zummo, ehemals Sum 41, bei den Deutschen, dass man seit dem erfolgreichen „Tekkno“ 2022 kein Studioalbum mehr veröffentlicht hat, ist angesichts der Schwemme an Single-Auskoppelungen verzeihbar. Das Team ist der Band bei allem wichtig. „Ein paar Veränderungen waren unerlässlich, aber im Großen und Ganzen arbeiten wir seit Jahren mit denselben Leuten zusammen. Wir sind noch immer dieselben kaputten Vollidioten, die wir früher waren. Wir leben unseren Traum – und das hoffentlich noch so lange wie möglich.“

Alle drei Österreich-Termine
Am 22. November spielen Electric Callboy eine Headliner-Show in der restlos ausverkauften Wiener Stadthalle. Wer keine Tickets mehr für das Highlight ergattert hat, hat 2026 aber zwei weitere Chancen auf eine österreichische Liveshow mit der Band. Am 26. Juni spielt man auf der Burg Clam und am 24. Juli sind sie auf der Schlosswiese Moosburg zu sehen. Unter www.oeticket.com gibt es die Karten und weitere Infos.

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