Mo, 18. Juni 2018

22-jähriger Linzer

11.12.2005 21:13

Als Lehrer in der Bronx

Unterricht als „Überlebenskampf“: Der Linzer Clemens Pachlatko (22) arbeitet als Pädagoge in New York zwischen Gangs, Drogen und Gewalt.

„In meinen ersten beiden Wochen als Lehrer ist zwei Straßen entfernt eine Schülerin erschossen worden. Und vergangene Woche war ich eine Viertelstunde im Unterricht, als draußen plötzlich fünf Schüsse krachten. Ich wollte in Deckung gehen. Aber eine Schülerin hat mich beruhigt: ,Tun´S Ihnen nichts an. Das ist weiter weg - sonst hätte man die Schüsse lauter gehört!“, berichtet der Linzer Jung-Lehrer Clemens Pachlatko von seinem Lehrjahr als Austausch-Pädagoge an einer Public High School in der New Yorker Bronx. In dem Viertel, das als härtester Bezirk der Millionenmetropole am Hudson gilt.

„Mit 6000 Schülern ist die Schule sogar für amerikanische Verhältnisse relativ groß. Meistens sitze ich zu Unterrichtsbeginn noch alleine in der Klasse, weil die Schüler erst durch den Security-Check und durch den Metalldetektor müssen“, erzählt Pachlatko.

Jeder Flur, jede Ecke, jeder Ausgang, jede Toilette wird bewacht
Fünfzig „Security-Officers“ sorgen in dem Schulgebäude für die Sicherheit. Schwer bewaffnet mit Schlagstock, Handschellen und Pistolen, bewachen sie jeden Flur, jede Ecke, jeden Ausgang und sogar die Toiletten. Das Ghetto-Gefühl prägt die Jugendlichen, erzählt Pachlatko: „80 Prozent kommen wie aus einem HipHop-Video daher, gestern hat ein Schüler sogar einen Rap-Song auf mich getextet. Meine Schüler sind zwischen 14 und 17 Jahre alt, großteils Hispanics und Afroamerikaner. Die meisten sind einen Kopf größer und um einiges schwerer als ich.“

„Normale“ Schüler, die einfach nur etwas lernen wollen, fallen quasi auf – „weil sie ruhig sind.“ Kein Wunder, denn im Vorjahr waren alle 108 derzeitigen Schüler von Pachlatko durchgerasselt.

Es ist normal, dass Schüler während des Unterrichts reden...
Für den jungen Linzer ist der Unterricht oft fast ein Überlebenskampf: „Nach dreieinhalb Monaten passen jetzt die meisten bei mir auf. Grundsätzlich ist die Disziplin ein großes Problem. Es ist normal, dass Schüler während des Unterrichts reden, das Klassenzimmer verlassen oder Kämpfe austragen. Das größte Problem sind aber die Gangs, die an der Schule aufeinander treffen.“ Dazu kämen die Drogen und die soziale Verwahrlosung.

Doch Pachlatko sieht dieses Schuljahr in den USA als Abenteuer - und als Stück Lebenserfahrung.

 

 

Foto: Privat

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