Nach Abzug Israels

Kampf um die Macht in Gaza: Hamas erschießt Gegner

Außenpolitik
14.10.2025 12:53

Die palästinensische Terrororganisation Hamas liegt nach dem Krieg gegen Israel militärisch am Boden. Ihre Vormachtstellung im Gazastreifen will sie aber mit allen Mitteln gegen Rivalen verteidigen. Seit dem Beginn der Waffenruhe kam es zu Kämpfen und Erschießungen auf offener Straße. 

Nach dem Inkrafttreten der Waffenruhe am vergangenen Freitag musste es schnell gehen. Eilig berief die Hamas-Führung etwa 7000 Kämpfer ein, um sofort nach dem Abzug der israelischen Truppen die Gebiete im Gazastreifen wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Der Mobilisierungsbefehl an die Kämpfer erging per SMS, in denen es hieß, das Ziel sei es „Gaza von Gesetzlosen und Kollaborateuren Israels zu säubern“, wie die BBC unter Berufung auf Quellen vor Ort berichtete.

Im Netz kursieren Bilder einer öffentlichen Erschießung.
Im Netz kursieren Bilder einer öffentlichen Erschießung.(Bild: OSINT)

Öffentliche Erschießungen
Seither gehen Hamas-Kräfte brutal gegen ihre Gegner vor. Aus Kreisen der Sicherheitskräfte im Gazastreifen heißt es, dass 32 Mitglieder einer Bande getötet wurden. Sie soll einem mit der Hamas rivalisierenden Clan in Gaza-Stadt nahestehen. Zudem sei die rechte Hand eines Anführers einer rivalisierenden Gruppe getötet worden. Ein in sozialen Medien am Montag verbreitetes Video zeigte zudem, wie Bewaffnete mindestens sieben Männer auf offener Straße erschossen.

Ein bewaffneter Kämpfer an einem Checkpoint in der Siedlung Nuseirat in Zentralgaza
Ein bewaffneter Kämpfer an einem Checkpoint in der Siedlung Nuseirat in Zentralgaza(Bild: AFP/EYAD BABA)

„Flohen vor eigenen Leuten“
Die ersten Kämpfe waren am Samstag ausgebrochen, nachdem Bewaffnete des Doghmush-Clans zwei Mitglieder der Hamas-Elitetruppen erschossen hatten. Mehr als 300 Hamas-Kämpfer hätten daraufhin einen Wohnblock gestürmt, wo sich die Clanmitglieder verschanzten, sagten Augenzeugen der BBC. Dutzende Familien, die schon im Krieg gegen Israel ihr Zuhause verloren hatten, mussten abermals fliehen. „Diesmal flohen sie nicht vor israelischen Angriffen“, so ein Zeuge. „Sie mussten vor den eigenen Leuten wegrennen.“

Maskierte und bewaffnete Männer, die der Hamas ergeben sind, patrouillieren im Gazastreifen.
Maskierte und bewaffnete Männer, die der Hamas ergeben sind, patrouillieren im Gazastreifen.(Bild: AFP/EYAD BABA)

Schon während des Gaza-Krieges sah sich die Hamas zunehmend mit internen Herausforderungen durch rivalisierende Gruppen konfrontiert, die oft mit Clans wie der Doghmush-Familie verbunden sind. Der israelische Premier Benjamin Netanyahu wollte das für sich nutzen: Er hatte erklärt, Clans zu bewaffnen, die sich der Hamas widersetzten. Das nach der Niederlage der Hamas entstandene Machtvakuum, hätten die Clans füllen sollen, so die kolportierten Überlegungen.

Die Hamas ist durch den von ihr begonnenen Krieg zwar erheblich geschwächt, scheint aber noch genug Kräfte zu haben, um so ein Vakuum nicht entstehen zu lassen. Sie will sich seit Beginn der Feuerpause als Ordnungsmacht im Gazastreifen positionieren. Loyale Kämpfer – maskiert und mit Sturmgewehren – zeigen Präsenz auf den Straßen.

Grünes Licht von Trump
Offenbar hat die radikal-islamische Organisation dafür den Segen von mächtiger Position. US-Präsident Donald Trump deutete an, dass die Hamas grünes Licht für eine vorübergehende Polizeifunktion erhalten habe. „Sie wollen die Probleme stoppen, und sie haben das offen gesagt, und wir haben ihnen für eine gewisse Zeit die Genehmigung erteilt“, sagte er am Montag auf dem Weg in den Nahen Osten.

Dies steht im Widerspruch zu Trumps Plan für die Nachkriegsordnung, der ein entmilitarisiertes Gaza ohne eine Machtbeteiligung der Hamas vorsieht. Die Hamas lehnt eine Entwaffnung ab, hat aber erklärt, dass sie keine Rolle in einer künftigen Regierung des Gazastreifens anstrebe. Über diese müsse jedoch von den Palästinensern ohne ausländische Kontrolle entschieden werden. Ob die Hamas tatsächlich bereit ist, freie Wahlen zuzulassen, ist angesichts der bisher von ihr demonstrierten Methoden zumindest fraglich.

Zitat Icon

Wir wissen, wie es bei Terrorgruppen läuft.

Der französische Präsident Macron gibt sich keinen Illusionen hin.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron warnt jedenfalls vor einer andauernden Bedrohung durch die Hamas. „Eine Terrorgruppe mit Tausenden Kämpfern, Tunneln und solcher Bewaffnung zerschlägt man nicht über Nacht“, zeigte Macron sich nach der Besiegelung der Waffenruhe am Montag im ägyptischen Sharm-el-Sheikh besorgt. Es werde in den kommenden Wochen und Monaten Terroranschläge und Destabilisierungen geben, prophezeite der Präsident: „Wir wissen, wie es bei terroristischen Gruppen läuft.“

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt