Was ritt den Kanzler? Als Mann markiger Worte ist er bisher nicht aufgefallen. ÖVP-Bundeskanzler Christian Stocker bedient sich eher einer zurückhaltenden Rhetorik, was viele in Zeiten permanent überhitzter politischer Debatten durchaus schätzen. Weiß der Teufel, wer oder was den sonst so pragmatisch und unaufgeregt auftretenden 65-jährigen gelernten Rechtsanwalt aus Wiener Neustadt ritt, jüngst in Sommerinterviews von einer „2-1-0“-Formel zu reden. Seine Formel-Auflösung: Die Inflation auf zwei Prozent senken, das Wirtschaftswachstum auf ein Prozent erhöhen, zudem „null Toleranz gegenüber Intoleranten“. Zur Erinnerung: Die Inflation liegt aktuell bei 3,6 Prozent, sollte aber laut Wifo im nächsten Jahr ohnehin auf 2,2 Prozent sinken. Auch das Wirtschaftswachstum von annähernd einem Prozent gilt als nicht unrealistisch, Ökonomen meinen, dafür müsse die Regierung gar nichts tun…
2-1-0-los! So verwundert es wenig, wenn der „formulierende“ Kanzler vor allem Häme erntet – etwa von FPÖ-Chef Herbert Kickl, der postet, 2-1-0 sei „eine Selbstbeschreibung der ÖVP: Zweiter bei der Wahl, Erster in der Verliererampel und Null Verbesserung für die Österreicher“. Die aus dem Sommerschlaf erwachenden Freiheitlichen sprachen in diesem Zusammenhang auch noch von „Voodoo-Ökonomie“ und meinten, die 2-1-0-Formel sei „eine reine Luftnummer“. Ähnlichen Spott erntet Stocker auch von „Krone“-Leserbriefschreibern. Die Formel sei eine gefährliche Drohung, meint etwa Hermann Schmitz aus Pottendorf, der die Formel für die Dreier-Koalition umdeutet: „2 Männer, 1 Frau, 0 Ideen, Konzepte und Leistung.“ Was kann man dem Kanzler nun raten? Wie wäre es, wenn er die Formel rasch umformuliert? „2-1-0-los!“ Als Startschuss, damit die Regierung endlich in die Gänge kommt.
Kommen Sie gut durch den Sonntag!
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