Der Prozess war von strengen Sicherheitsvorkehrungen begleitet. Zeugen aus dem Umfeld der Gruppe "Objekt 21" schilderten die Vorgänge im Vereinslokal. Demnach prangten dort Sprüche wie "Der Führer hat immer recht" oder die mit dem Vereinslogo versehene "Reichskriegsflagge" an der Wand.
"Sieg Heil!"-Rufe in der "Waffenschmiede"
Im mit Runen ausstaffierten Partyraum, der "Waffenschmiede", sollen einschlägige Konzerte stattgefunden haben. Als Beweis wurde eine CD des in rechten Kreisen bekannten "Reichstrunkenbolds" vorgelegt, auf der als Bonus ein Track "live aus der Waffenschmiede" zu hören ist. Ein Video zeugt zudem von "Sieg Heil!"-Rufen bei einer derartigen Veranstaltung. Allerdings will keiner der Angeklagten diese Rufe gehört haben, ebenso will niemand den Wandschmuck angebracht oder die Liederabende organisiert haben.
Reichsadler auf Hinterkopf tätowiert
Die Beschuldigten überließen das Reden über weite Strecken ihren Anwälten, platzten gegen Ende aber doch immer öfter mit Wortmeldungen heraus. Zudem wurde auf der Anklagebank viel geschwätzt und gegrinst. Auffällig waren die zahlreichen Tätowierungen der Männer. So tragen beispielsweise zwei davon einen Reichsadler auf dem Hinterkopf - in einem Fall von Haaren verdeckt, im anderen offen zur Schau gestellt. Ein Zeuge berichtete, dass die Rangordnung in der Gruppe an Runen-Tattoos ablesbar gewesen sei. Um in der Hierarchie aufzusteigen, habe man "kriminelle Sachen" machen müssen, so ein ehemaliger Weggefährte, der mittlerweile zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde.
Im Zusammenhang mit dem "Objekt 21" steht auch ein kriminelles Rotlichtnetzwerk, dem zahlreiche Straftaten zugeordnet werden. Die beiden Hauptangeklagten gehören in diesem Verfahren ebenfalls zu den wichtigsten Beschuldigten.
"Kultur- und Freizeitverein" als Deckmantel
Aufgeflogen war die Gruppe, als bei einer Polizeikontrolle 2009 Nazi-Devotionalien und verbotene Waffen im Wagen der Hauptangeklagten gefunden wurden. Es stellte sich heraus, dass sich der "Kultur- und Freizeitverein" in einem Bauernhof im Bezirk Vöcklabruck eingenistet hatte. Das Haus gehörte ausgerechnet dem Vater von Regisseur Stefan Ruzowitzky, der für sein KZ-Drama "Die Fälscher" einen Oscar erhielt. Er wurde die unliebsamen Mieter erst mit einer Delogierung los.
"Sie waren die rechte Szene in ihrer Brutalität"
"Sie wollten nach außen hin einen Deckmantel als Freizeit- und Kulturverein und waren im Inneren die rechte Szene in ihrer Brutalität", beschrieb der Staatsanwalt die Gruppe. Er betonte, dass fünf der sieben Angeklagten dem Vorstand angehört hätten und somit für die Tätigkeiten des Vereins hafteten. Für den Erstangeklagten, der nicht im Vereinsregister stand, aber bereits zweimal einschlägig vorbestraft ist, hatte er eine Haftstrafe von über fünf Jahren gefordert - sechs wurden es schließlich. Die Verteidiger hatten für alle sieben Männer einen Freispruch verlangt.










Kommentare
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.