Im Jahr 1971 lebten rund 7.491.000 Menschen in Österreich, mit Stichtag 31. Oktober 2011 waren es exakt 8.401.940, wie aus einer nun vorliegenden Analyse der Registerzählung der Statistik Austria - dem Nachfolgeinstrument der Volkszählung - hervorgeht. Davon lebte der Großteil (8,27 Millionen) in Privathaushalten, der Rest in Anstalten wie etwa Pflegeheimen. Die durchschnittliche Anzahl der Personen pro Haushalt lag bei 2,27 Personen - 1971 waren es noch 2,88 Personen.
Der Trend zum Alleinewohnen ist vor allem ein Phänomen der Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern: Dort gibt es mit 46,3 Prozent deutlich mehr Ein-Personen-Haushalte als im Schnitt. Bei der Zählung 1971 lag diese Zahl mit 34,3 Prozent noch erheblich niedriger, gab Statistik-Austria-Generaldirektor Konrad Pesendorfer am Montag bei der Präsentation der Daten bekannt.
Immer mehr ältere Frauen leben alleine
Bei den älteren Menschen in Österreich sind es vor allem die Frauen, die alleine leben: Männer leben bis zum 82. Lebensjahr zu zwei Drittel in Partnerschaften. Bei den Frauen ist hingegen schon ab dem 73. Lebensjahr mehr als ein Drittel (35,4 Prozent) alleine, nur 49 Prozent leben in Partnerschaften. Erst ab 96 Jahren leben mehr Männer alleine als in einer Partnerschaft, bei Frauen tritt diese Marke bereits mit 77 Jahren ein.
Zu beobachten ist auch ein Trend zur Kleinfamilie: Die durchschnittliche Kinderzahl pro Familie ist von 1,99 Kindern auf 1,64 Kinder gesunken. Der Rückgang ist in allen Bundesländern außer Wien zu beobachten: In der Bundeshauptstadt gab es einen Anstieg von 1,53 auf 1,61 Kindern pro Familie. Insgesamt ging die Zahl der Kinder in Familien von 2.615.586 um 10,5 Prozent auf 2.341.743 zurück.
"Hotel Mama" erfreut sich großer Beliebtheit
Auffallend ist, dass Kinder immer länger in ihren Familien bleiben. Vor 40 Jahren wohnten nur 29,4 Prozent der 25-jährigen Männer noch im "Hotel Mama", 2011 schon 44,2 Prozent. Und selbst von den 39-jährigen Männern lebte 2011 bereits jeder zehnte daheim (1971: 4,2 Prozent). Auch bei den Frauen stieg die Zahl der "Nesthocker" von 11,6 auf 29,5 Prozent an. Diese Entwicklung lässt sich auch daran ablesen, dass 1971 noch 68,7 Prozent jener Personen, die als Kinder im Elternhaushalt lebten, unter 15 Jahre alt waren. 2011 hingegen waren nur mehr 51,5 Prozent unter dieser Altersmarke.
Als Grund für diesen Trend nannte Pesendorfer vor allem die längeren Ausbildungszeiten. Damit lässt sich auch erklären, warum Frauen heutzutage wesentlich später ins Berufsleben einsteigen: Bei Frauen liegt die Erwerbstätigenquote mit 24 Jahren bei 70 Prozent, 1971 standen bereits die 17-jährigen Frauen zu 70 Prozent im Erwerbsleben. Insgesamt beteiligen sich heute aber deutlich mehr Frauen am Arbeitsmarkt: So lag die Quote etwa bei den 45-Jährigen Frauen mit 82,1 Prozent deutlich höher als noch 1971 (53,4 Prozent).
Familiengründungen erfolgen immer später
Auch der spätere Zeitpunkt der Familiengründungen ist laut Statistik Austria auf die langen Ausbildungszeiten zurückzuführen. Während 1971 die Frauen im Schnitt mit 27 Jahren Kinder bekamen, liegt dieses Alter nun bei 30 Jahren. Diese Trends werden sich laut Pesendorfer auch in Zukunft noch etwas fortsetzen, wobei hier "natürliche Grenzen" gesetzt seien. Für das Jahr 2060 wird laut Prognosen das Alter der Frauen bei Familiengründung auf etwa 33 Jahre ansteigen, so der Generaldirektor.
Die Registerzählung hat 2006 die Volkszählung abgelöst, 2011 wurde das neue Instrument erstmals angewandt. Die Informationen werden nicht mehr via Fragebogen bei den Bürgern direkt eingeholt, sondern aus den vorliegenden Daten der Verwaltungsregister wie etwa dem Meldeamt entnommen. Damit habe man eine "neue Epoche eingeleitet", sagte Pesendorfer, der auf eine deutliche Reduzierung der Kosten hinwies. Die Zählung wird alle zehn Jahre durchgeführt, dies sieht auch die Vorgabe durch die EU vor.










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