11.10.2013 17:00 |

Im Katastrophenfall

Experte: "Um 60 Euro wäre alles versichert"

Die nächste Naturkatastrophe kommt bestimmt. Darum schlägt Norbert Griesmayer (kl. Bild), Chef der VAV Versicherung, einen neuen Schutz vor, der Schäden abdeckt, die über jene, die bisher in der Haushalts- und Feuerversicherung beinhaltet waren, hinausreichen. Das würde laut dem Experten auch nicht viel teurer kommen: "Bei einem Eigenheim würde das vielleicht 60 Euro im Jahr kosten."

"Wir haben in Österreich alle elf Jahre ein Jahrhundert-Hochwasser", kommentiert Griesmayer die Lage in unserem Land sarkastisch. Beim Hochwasser im Jahr 2002 lag der messbare Schaden bei drei Milliarden Euro, versichert waren davon jedoch nur 420 Millionen Euro.

"Katastrophenfonds springt nicht immer ein"
Das sei "nicht nur volkswirtschaftlich ein Mega-Schaden, sondern kann auch für die einzelnen Betroffenen eine Katastrophe darstellen: Wer einen Schaden von zum Beispiel 40.000 Euro bei seinem Haus hat, aber nur 2.000 Euro im Monat verdient, ist in einer schier ausweglosen Situation", so Griesmayr. Und nicht in allen Fällen springt der Katastrophenfonds des jeweiligen Bundeslandes ein.

Deshalb der konstruktive Vorschlag: "In Österreich ist jedes Gebäude jetzt schon feuerversichert. Man bräuchte da nur eine Naturkatastrophenversicherung automatisch anhängen – dazu genügt ein einziger Satz im Versicherungsvertragsgesetz –, und alle wären abgesichert."

"Aus Almosenempfängern würden Leute mit Rechten"
Ob das auch leistbar ist? Griesmayer: "Bei einem Eigenheim würde das vielleicht 60 Euro im Jahr kosten, bei einer Mietwohnung ein oder zwei Euro im Monat. Die einzelnen Betroffenen würden von Almosenempfängern zu Leuten mit einem Rechtsanspruch werden!"

Aber ist man nicht schon mit einer Haushaltsversicherung geschützt? Griesmayer verneint: "Das glauben viele, und dann kommt die große Enttäuschung. Meist ist die Deckung dabei mit rund 7.000 Euro gedeckelt, was darüber hinausgeht, bleibt offen!" Den Versicherungen ginge es dabei nicht ums große Geschäft, sondern um das Erfüllen ihrer eigentlichen Funktion: Wenn etwas passiert, auch mit einer vollen Leistung Schutz zu bieten.

"Überdurchschnittlich viele Naturkatastrophen in Ö"
Wie notwendig das ist, zeigen die jüngsten Erdbeben in Österreich, aber auch das heurige Hochwasser, das insgesamt wieder einen Schaden von rund zwei Milliarden Euro angerichtet hat. "Wissenschaftlich gesehen ist Österreich ein Land mit überdurchschnittlich vielen Naturkatastrophen: Hochwasser, Erdbeben (nicht nur in der Region Wr. Neustadt), Schnee, Stürme – letztere sind bei einer Windgeschwindigkeit von über 117 Kilometern nicht gedeckt. Daher bräuchte es eine Naturkatastrophen-Versicherung auf breitester Basis für alle, dann ist die günstig und bietet vollen Schutz", zeigt der VAV-Generaldirektor die Vorteile so eines Systems auf.

"Helfende Politiker in Gummistiefeln" reichen nicht aus
Es sei lobenswert, wenn nach einer Katastrophe die Politiker in Gummistiefeln helfen kommen, noch besser wäre es für die Betroffenen aber, wenn sie auf jeden Fall gegen solche Ereignisse wenigstens voll finanziell abgesichert wären, meint Griesmayr.
Daher liege der Ball bei der Politik, im Sinne der Bevölkerung aktiv zu werden.

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