Echt queer!

Werkschau zeigt Fürst Esterházy in Frauenkleidern

Burgenland
28.03.2025 07:00

Am Samstag öffnet die Burg Forchtenstein nach der langen Winterpause wieder ihre Tore. Gäste dürfen sich auf Führungen freuen, die die Geschichte der Esterházys neu erzählen und ein spannendes Geheimnis um Fürst Paul I. und die Frauen lüften.

Starke Frauen, die männliche Widersacher bezwingen, faszinieren die Menschheit seit jeher. Den kaiserlichen Feldmarschall und späteren Fürst Paul I. Esterházy (1635 – 1713 in Eisenstadt) reizten furchtlose Heldinnen sogar so sehr, dass er über eine ganze Reihe von Gemälden selbstbewusster Kämpferinnen verfügte. Das Auffällige: die Frauen in seiner Sammlung schreckten auch vor Mord und Totschlag nicht zurück!

So etwa tötete die biblische Figur „Jahel“ den Heerführer Sisera im Schlaf, indem sie ihm einen Zeltpflock mit einem Hammer durch die Schläfe trieb. „Salome“, die Stieftochter von König Herodes und eine der berühmtesten Frauen des Neuen Testaments, verantwortete den Tod von Johannes dem Täufer, indem sie auf Veranlassung ihrer Mutter seinen Kopf verlangte, der ihr schließlich auf einem Silbertableau überbracht wurde. Juno wiederum, die Gemahlin des Jupiters, ließ sich das Haupt des Argos vorlegen, um aus ihm seine Augen mit einer Pinzette zu lösen.

Paul I. Esterházy als „Judith“ im Jahr 1650. Das Gemälde ist das Schlüsselobjekt aus der ...
Paul I. Esterházy als „Judith“ im Jahr 1650. Das Gemälde ist das Schlüsselobjekt aus der Schatzkammer des Fürsten. Zu Lebzeiten war es mit einem Vorhang bedeckt. Jetzt kann man es bewundern.(Bild: ROLAND SCHULLER/FOTO IM LOHNBUER)

Wenn mächtige Frauen Männerköpfe rollen lassen
Ab Samstag sind diese und weitere kuriose Gemälde, die alle ihr originales Pendant berühmter Meister in verschiedenen Museen der Welt haben, als historische Kopien ihrer Zeit auf Burg Forchtenstein zu sehen. Da wird nämlich im Rahmen des feierlichen Saisonauftakts auch die neue Sonderausstellung „Nur nicht den Kopf verlieren! – Fürst Paul I. Esterházys furchtlose Heldinnen“ eröffnet.

Kuratiert wurde die Werkschau von Florian Bayer, dem Leiter der Kunstsammlungen der Esterházy Privatstiftung, und seiner Stellvertreterin Margit Kopp, die sich schon vor Jahren intensiv mit dem abgeschlagenen Haupt als Thema in der Gemäldesammlung und Lebenswelt von Fürst Paul I. befasste.

Ausstellung befeuert Debatte über „Queerness“
Doch was hat es mit diesem Faible auf sich? „Das ist die große Frage, die wir beantworten wollen“, sagt Bayer und zeigt auf das Hauptgemälde. Darauf zu sehen: der Fürst in Frauenkleidern. „Es ist das derzeit älteste bekannte historische Gemälde der abendländischen Kultur, das einen Mann in weiblichen Gewändern zeigt“, sagt Bayer und verweist auf brandaktuelle Themen unserer Zeit, die sich mit Fragen rund um Körperbewusstsein, Kleidung, Identität und Queerness auseinandersetzen.

Fürst Paul I. im Kleid war mit seiner Nichte Ursula verheiratet. Nach ihrem Tod nahm er Eva ...
Fürst Paul I. im Kleid war mit seiner Nichte Ursula verheiratet. Nach ihrem Tod nahm er Eva Thököly von Kesmark zur Frau, deren Vater einer der größten Gegner der Habsburger war. Dieser Verbindung entstammt die ganze spätere Esterházy-Linie.(Bild: Esterhazy Privatstiftung, Burg Forchtenstein)

Biografische Parallelen zum Leben des Fürsten
„Paul musste als Student bei den Jesuiten Theaterstücke spielen, um durch nachvollziehbare Geschichten gesellschaftliche Werte für das eigene Leben zu festigen. Weil damals Burschen auch in Frauenrollen schlüpfen mussten, übernahm er die Rolle der Judith, die den assyrischen Feldherrn enthauptet, nachdem sie ihn mit Wein im Rahmen eines Gelages betrunken macht und so ihre Gemeinschaft vor der Unterwerfung rettet“, erklärt der Historiker.

Für Paul, der sehr gläubig und ein großer Marienverehrer war, sei diese starke Frau stellvertretend für die Heilige Maria gestanden: „Diese war für ihn stets eine Galionsfigur, die ihm Kraft gab zu bestehen und in schwierigen Lebenssituationen nicht den Mut zu verlieren.“ Verständlich, immerhin erlebte Fürst Paul I. auf den Schlachtfeldern unfassbare Gräuel und musste immer wieder harte Schicksalsschläge hinnehmen. So etwa wurde sein Schwager Franz Nadasdy enthauptet. Auch seine drei Cousinen und sein älterer Bruder Ladislaus wurden 1652 in einer Schlacht gegen die Türken an ein und demselben Tag hingerichtet.

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Die Präsentation der Ausstellung wurde ganz bewusst provokant anmutend umgesetzt, um diesem spannenden Thema eine besondere Bühne zu geben.

Dr. Florian Bayer, Leiter der Kunstsammlungen der Esterházy Privatstiftung

Erst daraufhin erbte Paul das große Vermögen seiner Familie und begann seine Militärkarriere, bevor er nach der Rückeroberung Ungarns schließlich vom Kaiser 1687 in den Fürstenstand erhoben wurde. „Es war also höchste Zeit, dass wir diese Ausstellung kuratiert haben. Sie ermöglicht es, die Esterházy-Dynastie in einem neuen Licht zu betrachten“, so Bayer.

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