"Pro Hütten & Wege"

Alpine Vereine fordern mehr Geld für Infrastruktur

Österreich
14.08.2013 10:51
Österreichs alpine Vereine schlagen Alarm: Wenn die Bundesmittel für die Erhaltung von Hütten und Wegen nicht deutlich aufgestockt werden, "dann findet das wanderbare Österreich nur mehr im Tal statt", sagt der Präsident des Alpenvereins, Andreas Ermacora. Konkret fordert er eine Erhöhung der Förderungen von derzeit 1,5 auf vier Millionen Euro ab 2014. Insgesamt seien 475 Schutzhütten und 50.000 Kilometer Bergwege zu erhalten.

Der Alpenverein erhält jährlich 700.000 Euro für seine 238 Schutzhütten und 26.000 Kilometer Wege - für die Verantwortlichen ein Tropfen auf dem heißen Stein: "Schon die Sanierung einer Schutzhütte kostet rund 700.000 Euro", veranschaulicht der Hüttenreferent des Alpenvereins, Georg Unterberger. Jährlich benötige alleine sein Verein ein Budget von rund zehn Millionen Euro, "Tendenz steigend".

Beispiel Salzburg: 40.000 Euro Förderung für 48 Hütten
Der Förderzuschuss der Länder ist unterschiedlich. Der Alpenverein in Salzburg erhält vom Land beispielsweise jährlich rund 40.000 Euro für seine 48 Schutzhütten. Bei den Naturfreunden ist die finanzielle Situation ähnlich prekär. "In Salzburg kommen 20.000 Euro an - 17 Hütten liegen aber in unserer Verantwortung", sagt Landesgeschäftsführer Helmut Schwarzenberger.

Ermacora appelliert angesichts der Situation an die Bundesregierung: "Ohne Anpassung der Förderung ist eine nachhaltige Sicherung der alpinen Infrastruktur nicht gewährleistet. Wir wollen als Partner für den Tourismus gesehen werden. Es muss ein öffentliches Umdenken stattfinden."

Vereine übergeben Petition "Pro Hütten und Wege" an Fischer
Alpenverein, Naturfreunde, der Verband alpiner Vereine Österreichs (VAVÖ) und der Österreichische Touristenklub (ÖTK) wollen im September die Petition "Pro Hütten und Wege" an Bundespräsident Heinz Fischer als Schirmherr der Schutzhütten überreichen. Darin sprechen sich die Vereine für eine Anpassung der Förderung für Schutzhütten und Bergwege aus. Fischer soll dieser Forderung laut Ermacora "Nachdruck bei der Regierung verleihen".

"Touristisch ist Österreich ein Ass und ein Vorbild für die ganze Welt. Mit einem wanderbaren Österreich wird Tourismuspolitik gemacht. Wir alpinen Vereine arbeiten für die Allgemeinheit, wir haben eine Vorbildwirkung und machen keinen Gewinn. Die Wanderwege sind das längste Sportgerät Österreichs", so VAVÖ-Präsident Franz Kassel.

Ohne Wege keine Hütten - und umgekehrt
Die Ursachen für die schwierige finanzielle Situation sind auch im Klimawandel zu suchen. Die Permafrostgrenze steigt an, die Gletscher schmelzen ab, die Gefahr von Steinschlägen und Felsstürzen steigt. Die Erhaltung von Wegen und Steigen wird dadurch teurer, manche Routen sind nicht mehr begehbar. Sie müssen mitunter mit hohem Materialaufwand meist von freiwilligen Helfern der alpinen Vereine abgesichert oder verlegt werden, um die Verbindung zu den Schutzhütten aufrechtzuerhalten. Werden Wege aufgegeben, verschwinden auch die Hütten - und umgekehrt, warnt Ermacora.

Die Wegesanierung ist nicht nur körperlich fordernd und gefährlich, den Freiwilligen drohen auch Gerichtsverfahren: "Bei Unfällen interessiert sich die Staatsanwaltschaft dafür", sagt Ermacora. Eine Haftung für die ehrenamtlichen Wegebauer besteht allerdings nur bei einer groben Fahrlässigkeit.

"Maßstäbe wie bei einem Hotelbetrieb im Tal"
Dazu kommt eine Belastung durch verschärfte behördliche Auflagen für die oft schon sehr alten Schutzhütten. "Es werden Maßstäbe wie bei einem Hotelbetrieb im Tal angesetzt. Da stimmen die Verhältnisse nicht mehr. Es kann sein, dass eine Fluchtstiege um eine halbe Million Euro gebaut werden muss", rechnet Unterberger vor.

Und auch die verbesserte Wettervorhersage im Internet macht den Hüttenbetreibern zu schaffen: Frühen planten die Alpinisten oft eine Woche für eine Tour ein - inklusive allfälliger Puffertage, in denen auf den Hütten auf besseres Wetter gewartet wird. Nun werden Reservierungen bei schlechten Aussichten reihenweise kurzfristig abgesagt. Der Alpenverein reagierte heuer auf die neue Situation mit einer Stornogebühr von zehn Euro, falls die Absage weniger als drei Tage vor dem gebuchten Termin erfolgt.

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