29.07.2013 10:35 |

Neuer "Klimakiller"?

Erdbeben setzen das Treibhausgas Methan frei

Deutsche und Schweizer Wissenschaftler haben einen neuen "Klimakiller" ausgemacht: Demnach werden als Folge eines Erdbebens der Stärke 8,1, das sich 1945 vor der Küste Pakistans ereignete, enorme Mengen an Methan freigesetzt. Sollte das ein gängiges Phänomen sein, könnten Erdbeben bei der Freisetzung von Treibhausgasen eine größere Rolle spielen als bislang gedacht, so die Forscher.

Seit dem Erdbeben 1945 sind vorsichtigen Schätzungen zufolge etwa sieben Millionen Kubikmeter Methan aus dem Meeresboden in den Ozean geströmt, teilte die Universität Bremen am Sonntag mit. Das entspricht etwa der Ladung von zehn riesigen Gastankern. Methan ist als Treibhausgas etwa 20-mal stärker als Kohlendioxid.

Beben legen Methanquellen frei
"Unsere Messungen zeigen erstmals, dass Erdbeben Methanquellen freilegen können", sagt Mitautor Michael Strasser von der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich. Man gehe davon aus, dass Quellen wie diese nach einem Erdbeben ein gutes Jahrhundert lang Methan freigeben und anschließend wieder versiegen.

Die Geologen haben 2007 mehrere Sedimentkerne aus dem Meeresboden entnommen. Erstes Indiz: In einer Probe fanden sie Methanhydrat, ein nur unter hohem Druck stabiles Methan-Eis. Weitere Analysen der Bohrkerne zeigten, dass zwischen dem Beben von 1945 und den Methanaustritten offenbar ein Zusammenhang bestehe, schreiben die ETH-Forscher im Fachjournal "Nature".

Gas kommt aus Rissen am Meeresgrund
Das 1945er-Beben war der wahrscheinlichste Auslöser dafür. Es hätte vermutlich Risse und Spalten am Meeresgrund geöffnet, aus denen freies Methan entwich, das zuvor als Methanhydrat "gefangen" war, so die Wissenschaftler. Sie vermuten, dass es noch weit mehr Gebiete im nördlichen Indischen Ozean gibt, in denen sich das Beben ähnlich ausgewirkt hat.

Methan ist eines der stärksten Treibhausgase, da es die von der Erdoberfläche Richtung Weltall reflektierte infrarote Strahlung effektiver absorbiert als Kohlenstoffdioxid (CO2), und das, obwohl es in der Atmosphäre in geringer Konzentration als CO2 vorhanden ist. Im Meeresboden lagern große Mengen an Methan in Form von Methanhydraten, einer eisartigen Substanz, die nur unter hohem Druck, der vom Meerwasser verursacht wird, sowie in einem bestimmten niedrigen Temperaturbereich stabil ist.

Die Bilder zeigen Aufnahmen, die der Tauchroboter MARUM-QUEST in 2.861 Meter Tiefe vor der pakistanischen Küste aufgenommen hat. Aus dem Meeresboden steigen Gasblasen (Bild 1) auf. Es handelt sich dabei um Methan, das - siehe Bild 2 - mit einem Trichter eingefangen wird, wo es sich als feste, eisartige Substanz (Methanhydrat) ablagert.

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