Saiblinge wachsen

Globale Erwärmung sorgt in der Arktis für größere Fische

Wissenschaft
22.07.2013 13:31
Seit 1997 untersuchen österreichische und kanadische Forscher die Anreicherung von Schwermetallen und Schadstoffen sowie die Einflüsse von Klimaveränderungen auf Seesaiblinge in der kanadischen Arktis. Über die Erkenntnis, dass die Fische, die ihnen dort ins Netz gehen, mittlerweile signifikant größer sind als noch zu Beginn ihrer Studien, sind die Forscher erst vor Kurzem gestolpert. Der Grund dafür liegt für den Zoologen Günter Köck in der längeren eisfreien Zeit und im dadurch gesteigerten Nahrungsangebot.

In diesem Sommer startet Köck seine 17. Expedition im Rahmen des Forschungsprojekts "High Arctic". Die kanadische Arktis befinde sich im Umbruch. Seit ungefähr 2005 steige die Temperatur massiv. Habe man früher im Sommer von Resolute Bay aus auf die Nordwest-Passage geschaut, habe es dort oft noch viel Packeis gegeben. "Jetzt ist es fast so, wie wenn man von Grado aus in die Adria schaut", so der Forscher von der Uni Innsbruck, der an der Akademie der Wissenschaften für internationale Programme zuständig ist.

Saiblinge wurden binnen 15 Jahren immer größer
Die Saiblingspopulation im Resolute Lake dokumentieren die Forscher seit 1997 durchgehend. "Ich habe meinen Augen nicht getraut, als ich mir vor Kurzem die biometrischen Daten - also Länge und Gewicht - angeschaut habe. Denn die Fische, die wir fangen, werden signifikant größer und schwerer", so Köck.

So ein Effekt könnte etwa eine Reaktion auf intensive Befischung sein, doch außer den Forschern fischt dort niemand. Dazu komme, dass die Saiblinge seit Beginn der Untersuchungen immer mit gleich großen Netzen und immer in der gleichen Woche gefangen werden.

Mehr Wärme, mehr Nahrung – größere Saiblinge
"Da ist es dann wirklich verwunderlich, dass sie tatsächlich größer werden. Es liegt mit großer Wahrscheinlichkeit daran, dass die Seen viel früher auftauen und die Fische dadurch früher Nahrung haben, die ihnen auch noch länger zu Verfügung steht", zeigte sich Köck überzeugt.

Zusätzlich steige die Wassertemperatur, was den Stoffwechsel von Fischen ankurbelt. Solche Wärmeeffekte würden zwar postuliert, "aber richtig gemessen hat das noch niemand - schon gar nicht in einem arktischen See", so der Forscher. Darin zeige sich der Mehrwert, den Langzeituntersuchungen bringen, denn dieser Prozess werde erst über den langen Beobachtungszeitraum ablesbar.

Forscher bringen neue Sensoren in See ein
Heuer bringen die Forscher zum ersten Mal eine ganze Reihe an Sauerstoff- und Temperatursensoren in die Seen ein. So können sie feststellen, wie sich die Temperatur mit zunehmenden Tiefe verändert. Diese Informationen sind wichtig, wenn es um die Analyse der Transformation von metallischem Quecksilber in das noch giftigere organische Methylquecksilber geht.

Auch das würde durch die Erwärmung beschleunigt, was zur Anreicherung des Schwermetalls in der Nahrungskette führt. Wie schnell dieser Prozess in Sedimenten vom Grund der Seen vor sich geht, wollen die Wissenschafter in den kommenden drei Jahren klären. In diesem Zeitraum ist das Projekt finanziell gesichert. Insgesamt werde es aber immer schwieriger, genug Geld für langfristige wissenschaftliche Forschung zu bekommen, sagt Köck.

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