14.06.2013 14:24 |

Überlebenskampf

Schockierend schön und emotional: "The Last Of Us"

Nach über sechs Jahren steht Sonys PlayStation 3 kurz vor ihrer Ablösung durch die PS4. Dass sich auf der inzwischen in die Jahre gekommenen Konsole aber noch immer großartige Geschichten erzählen lassen, beweisen die "Uncharted"-Macher jetzt mit ihrem Exklusivtitel "The Last Of Us".

Die Katastrophe brach plötzlich und unerwartet in Form einer giftigen Pilzspore über die Menschheit herein. Zwei Jahrzehnte später ist die Welt eine andere. Die Überlebenden rotten sich zumeist in stark militarisierten Quarantänezonen zusammen, wo sie der Willkür der Soldaten ausgesetzt sind. Außerhalb der Stacheldrahtzäune und Mauern sieht es häufig nicht besser aus: Plünderer und Infizierte machen den wenigen Wagemutigen, die sich hinaustrauen, das Leben zur Hölle.

Einer von ihnen ist Joel, ein Schmuggler, der während seiner Zeit in der Quarantänezone von Boston gelernt hat, sich an die harschen Umstände anzupassen und mit krummen Geschäften über Wasser zu halten - bis ihn das Schicksal unfreiwillig mit Ellie zusammenführt, einem erst 14-jährigen Mädchen, das aus der Stadt hinaus zu einem sicheren Treffpunkt geleitet werden muss. Ohne eine Wahl zu haben, willigt Joel ein.

Harte Schale, weicher Kern
Was nun beginnt, ist wohl eine der intensivsten Spielerfahrungen seit Langem – nicht nur auf der PS3. Der einfache Grund dafür: es menschelt. Zwar mag "The Last Of Us" auf den ersten Blick wie ein weiteres Survival-Horror-Abenteuer aussehen, doch unter seiner oftmals brutalen, ungeschönten und damit nur umso realer wirkenden Oberfläche erzählt es die berührende Geschichte zweier Menschen und ihres Überlebenskampfes. Spannend daran zu sehen und zu erleben ist vor allem, wie diese beiden anfangs so gegensätzlichen Charaktere zueinanderfinden und sich aus der Zweckgemeinschaft allmählich eine Art Vater-Tochter-Beziehung entspinnt.

Entwickler Naughty Dog, der mit der "Uncharted"-Serie bereits mehrfach sein Talent für großes Kino unter Beweis stellte, räumt dieser Entwicklung in zahlreichen Dialogen, beiläufigen Szenen und kurzen zwischenmenschlichen Erlebnissen, zum Beispiel wenn Ellie das erste Mal die freie Natur erblickt oder zu pfeifen lernen versucht, viel Platz ein und erschafft damit, was vielen anderen Studios häufig nicht gelingt: Charaktere, die so menschlich sind, dass man gar nicht anders kann, als mit ihnen mitzufiebern, mitzuleiden und sich letztlich für ihr Wohlergehen verantwortlich zu fühlen.

Schmaler Grat zwischen Überleben und Tod
Die Gewissheit, dass ihrer beider Leben bereits im nächsten Moment vorbei sein könnte, ist schließlich allgegenwärtig. Der Grat zwischen Überleben und Tod ist ein schmaler, weshalb genretypisch auch in "The Last Of Us" eine gute Vorbereitung und der verantwortungsvolle Umgang mit den wenigen vorhandenen Ressourcen spielentscheidend sind. Denn: Munition ist rar und das Nachladen nimmt ebenso wie das Anlegen eines Verbandes kostbare Zeit in Anspruch, die man im Gefecht meist nicht hat. Immer wieder gilt es daher abzuwägen, welche Vorgehensweise die klügste ist.

Wer sich für eine offensive Taktik entscheidet, kann im Spielverlauf auf ein breites Arsenal unterschiedlichster Waffen zurückgreifen – vom einfachen Prügel über Molotowcocktails bis hin zum Revolver oder Jagdgewehr. Wer Ärger hingegen aus dem Weg gehen möchte, kann von Gegenständen zur Ablenkung wie Flaschen oder Ziegelsteinen Gebrauch machen. Darüber hinaus stellen Messer oder Pfeil und Bogen eine gute Möglichkeit dar, Infizierte und andere Feinde lautlos zu töten.

Mitunter geht es sogar ganz ohne Konfrontation, verfügt Joel doch über ein äußerst scharfes Gehör, das es ihm erlaubt, Gegner selbst durch Wände hindurch zu orten. Diese sehr spieltypische Funktion steht ein bisschen im Widerspruch zu dem ansonsten überaus realistischen Szenario, erweist sich aber gerade im späteren Verlauf als besonders nützlich. Wer möchte, kann sie aber ebenso wie eine Zielhilfe fürs Schießen in den Optionen des Spiels deaktivieren.

Gut gerüstet und richtig vorbereitet
Egal für welches Vorgehen man sich letztlich entscheidet: Wer nicht regelmäßig Ausschau nach Vorräten, Munition und Dingen wie Scheren oder Klebeband hält, der kommt nicht weit. Letztere Gegenstände erlauben es Joel, eigenhändig Messer anzufertigen oder primitive Waffen zu optimieren. Mittels gesammelter Ersatzteile können an eigens dafür vorgesehenen Werkbänken auch Pistolen und Co. modifiziert werden, etwa in Bezug auf Munitionskapazität oder Ladezeit. Auch an Joel selbst darf "herumgeschraubt" werden: Mithilfe von Pillen lassen sich beispielsweise körperliche Attribute wie die Gesundheit verbessern.

Da aber keine Ressource in dem Maße vorhanden ist, wie es zur Optimierung sämtlicher Waffen und Fertigkeiten nötig wäre, muss sich der Spieler entscheiden, was für ihn besonders wichtig ist – und notfalls mit den Konsequenzen einer möglichen "Fehlinvestition" leben. Dass man selbst im leichtesten Schwierigkeitsgrad von "The Last Of Us" schnell mal den Kürzeren zieht, ist übrigens keine Seltenheit. Sämtliche Checkpoints sind aber fair gesetzt und erlauben es so, schlimmstenfalls auch kurzzeitig hintereinander unterschiedliche Lösungsansätze zu erproben.

Online auf Vorratssuche
Das Sammeln und Herstellen von Gegenständen nimmt schließlich auch im Online-Multiplayer-Part von "The Last Of Us" eine zentrale Rolle ein. Ziel ist auch hier, die eigene Fraktion durch das Plündern von Vorräten am Leben zu halten und so ihr Wachstum zu sichern. Der eigene Spielcharakter kann dabei für die beiden Spielmodi "Vorratsraubzug" (Vier gegen vier) und "Überlebende" (Eliminierung) hinsichtlich seines Aussehens und seiner Ausrüstung angepasst werden. Beide Modi können auf sieben verschiedenen Karten gespielt werden.

Apropos Aussehen: Dass sich "The Last of Us" nicht nur großartig spielt, sondern auch so aussieht und klingt, sei der Vollständigkeit halber ebenfalls noch erwähnt. Beeindruckend sind vor allem die vielen kleinen optischen Details (beispielsweise durchnässte Kleidung) und die Verwendung aufwendiger Motion-Capturing-Technologie, die zum überaus realistischen und somit letztlich stimmungsvollen Gesamtbild beitragen.

Fazit: Viel ließe sich über "The Last Of Us" noch schreiben, wohl am besten aber ist, man spielt es selbst. Denn die Art und Weise, wie Entwickler Naughty Dog klassische Survival-Horror-Kost mit einer einfühlsamen Geschichte und glaubwürdigen Charakteren zu einem intensiven, realistischen Spielerlebnis verbindet, ist einzigartig und setzt Maßstäbe im Storytelling, an denen sich auch künftige Games noch lange messen lassen müssen.

Plattform: PS3
Publisher: Sony
krone.at-Wertung: 10/10

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