Nun hat die Kölner Stadtverwaltung also beschlossen, dass der auf zwei Probejahre erlaubte Ruf des Muezzins von der monumentalen Ditib-Moschee auf Dauer erklingen darf. Zwar nur für fünf Minuten und nur freitags zwischen zwölf und 15 Uhr.
EINERSEITS lassen uns die Befürworter der muslimischen Beschallung wissen, dass ihrer Ansicht nach damit die Religionsfreiheit, die in Deutschland wie insgesamt in der EU existiert, dokumentiert werde. „Religiöse Vielfalt in Köln kann konfliktfrei gelebt werden“, heißt es da.
ANDERERSEITS muss man da schon entgegnen, dass solch religiöse Vielfalt anderswo, etwa in der Türkei, keineswegs konfliktfrei gelebt werden kann. Ditib, jene Organisation, der die Kölner Großmoschee gehört, gilt nämlich als der verlängerte Arm der türkischen Religionsbehörde. Und in der Türkei, die bekanntlich nach wie vor EU-Beitrittswerber ist, wurde auf Betreiben von Staatspräsident Erdoğan erst vor wenigen Jahren die Hagia Sofia eine der vornehmsten Kirchen der Christenheit, wieder in eine Moschee umgewandelt. Von ihren Kuppeln wird das Geläute christlicher Glocken mit Sicherheit nicht zu hören sein.
Der Muezzin-Ruf von Köln, aber auch die Re-Islamisierung der Hagia Sophia machen jedenfalls deutlich, wie das Verhältnis zwischen dem alten Abendland und der islamischen Welt derzeit ist: Hier ein dekadentes und säkularisiertes Europa, das seine christlichen Werte vergisst und dort ein offensiver fundamentalistischer Islam.
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