Brucknerhaus Linz

Uraufführung und Kniefall vor dem „Fugenscheißer“

Oberösterreich
12.02.2026 14:00

Die Reihe AK Classics mit dem Bruckner Orchester füllte nicht nur das Linzer Brucknerhaus, sondern präsentierte auch die Uraufführung der dritten Symphonie des oberösterreichischen Komponisten Helmut Rogl. Ein beachtliches Werk! Es folgte noch eine Messe von Schubert. Heftiger Beifall! 

Die Konzertreihe AK Classics zeigt jedes Mal andere Facetten des Bruckner Orchesters, weil hier vor allem Gastdirigenten ans Pult treten. 

Dieses Mal führte die energiegeladene Dirigentin Maria Benyumova – sie stammt aus Russland und ist in Deutschland sehr erfolgreich – durch den Abend. Ein Höhepunkt: Die Uraufführung der dritten Symphonie von Helmut Rogl, einem renommierten Linzer Komponisten.

Das fünfsätzige Werk enthält einen eingeschobenen vierten Variationensatz, in dem Rogl ein Thema („Dona nobis pacem“) aus seiner eigenen Missa (2000) aufgreift. In den zahlreichen solistischen Passagen konnte das Bruckner Orchester seine hohe Qualität eindrucksvoll unter Beweis stellen.

Die Sehnsucht nach Frieden
Das musikalische Ringen um Frieden wird durch die Überlagerung mehrerer Marschrhythmen, wohldosierte Dissonanzen sowie kurze Motive und deren Weiterentwicklung verdeutlicht. Feine Bläserklänge – besonders anspruchsvoll für die Hornisten –, kantable Melodien und zarte Klangverbindungen scheinen die Sehnsucht nach Frieden zu symbolisieren, die letztlich jedoch unerfüllt bleibt.

Dank an Chor und Orchester: Maria Benyumova und Helmut Rogl (beide rechts)
Dank an Chor und Orchester: Maria Benyumova und Helmut Rogl (beide rechts)(Bild: Reinhard Winkler)

Ein kühner Schubert
Es folgte Schuberts letzte Messe in Es-Dur, sie zählt zu seinen harmonisch kühnsten Werken. Obwohl Schubert persönlich tief gläubig war, hatte er ein schwieriges Verhältnis zur kirchlichen Institution. So vertonte er im Credo den Passus von der „heiligen katholischen Kirche“ nicht. Den übrigen Teilen des Glaubensbekenntnisses widmete er sich hingegen mit großer Ernsthaftigkeit und innerer Vertiefung. Die Messe hat eine Spieldauer von nahezu einer Stunde.

Temperamentvoll am Pult
Die Dirigentin Maria Benyumova überzeugte durch umsichtiges, präzises und temperamentvolles Dirigat. Auffallend war ihre Vorliebe für sehr zügige Tempi, die Chor, Solisten und Orchester bravourös mittrugen. Der Linzer Jeunesse Chor sowie der Chor Vocamus, hervorragend vorbereitet von Wolfgang Mayrhofer und Marina Schacherl, meisterten die anspruchsvolle Messe mit großer Souveränität. Georgia Cooper (Sopran), Dora Blatniczki (Alt), Alexandre Bianque und Markus Stumpner (Tenor) sowie Seunghun Jeong (Bass) steuerten ausgezeichnete Soli bei.

Besonders hervorzuheben ist der Leiter der Florianer Sängerknaben Markus Stumpner, der nach seinem berühmten Solo im Et incarnatus est bescheiden in den Chor zurücktrat und dort weitersang.

Nachhilfe beim „Fugenscheißer“
Der abschließende Credo-Satz „Ich glaube an das ewige Leben“ inspirierte Schubert zu einer monumentalen Fuge. Umso erstaunlicher wirkt es, dass er kurz vor seinem Tod noch bei Simon Sechter, dem bekannten Wiener „Fugenscheißer“, um Unterricht ersucht hatte.

Das nächste Konzert AK Classics am 13. Mai: Dirigent Marcus Merkel und das Bruckner Orchester Linz präsentieren u.a. eine Symphonie von Ingo Ingensand.

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