Brüssel übernimmt eine Vorreiterrolle: Die belgische Hauptstadt hat den Einsatz von Pferdekutschen verboten – künftig setzt man auf Fiaker mit Elektroantrieb. Die „Krone“ hat sich in der Wiener Innenstadt umgehört, ob diese Idee auch hier ankommen würde oder ob die Kutscher und ihre Rösser einfach Tradition haben.
Sie wirken wie aus der Zeit gefallen und gehören doch selbstverständlich zum Wiener Stadtbild dazu – die Fiaker. Eine Kutschenfahrt ist für viele Menschen die Krönung ihres Wienaufenthalts.
Hitzige Debatte um die Kutschenfahrt
Derzeit sind 324 Fiakerpferde in der Bundeshauptstadt im Einsatz. Kutschen stehen am Stephansplatz, vor der Albertina sowie der Hofburg – und das bei fast jedem Wetter. Die Rekordhitze, die der Klimawandel mit sich bringt, veranlasst Tierschutz-Organisationen, den Druck für ein Fahrverbot ab 30 Grad zu erhöhen – laut Gesetz müssen die Tiere in Wien ab 35 Grad abgespannt werden.
Im weltweiten Vergleich führten die hitzigen Diskussionen jedenfalls in einigen Städten zu einem Verbot der Fiaker. So wurden in Barcelona Pferdekutschen 2018 verabschiedet und auch die traditionellen „botticelle“ in Rom vor zwei Jahren von den Straßen verbannt.
Belgische Hauptstadt nimmt Vorreiterrolle ein
Brüssel hat neuerdings Touristenkutschen, die elektrisch fahren und nicht mehr von Pferden gezogen werden. Solch ein Gefährt hatte man auch 2019 in der österreichischen Bundeshauptstadt im Einsatz – damals als Werbeträger für das Netz der öffentlichen E-Ladestellen von Wien-Energie.
Die „Krone“ hat sich in der Wiener Innenstadt umgehört, ob diese Alternative auch langfristig positiven Anklang finden könnte: „Der Charme würde fehlen. Die Fiaker gehören zum Stadtbild dazu“, sagt eine junge Wienerin, die mit ihrer kleinen Tochter regelmäßig Pferderl schauen geht.
Für eine vierköpfige Familie aus Deutschland, die eine Fahrt bei 33 Grad durch die Innenstadt genossen hat, ist es wichtig, dass Rösser vorgespannt werden – Kutschen ohne Tiere finden sie nicht so toll.
Georg Prinz vom „Verein gegen Tierfabriken“ kritisiert hingegen bei unseren Dreharbeiten den fehlenden Sonnenschutz und empfindet das Abkühlen der Pferde mit Wasser als reine Show für die Kameras. Zudem hätten E-Kutschen für ihn das zukunftsreiche Potenzial, neue Zielgruppen anzusprechen!
Traditionskutscher im Interview
Den Vorwurf, seinen Tieren würde es nicht gut gehen, weist Kutscher Marco (Fiaker Paul) im Interview mit Maggie Entenfellner zurück: „Das Pferd braucht die Bewegung! Wir halten uns an die Gesetze. Pro Tier wird ein Pferde-Fahrtenbuch geführt. Unsere Rösser sind alle gechippt und werden stets vom Veterinäramt gecheckt. Laut aktueller Statistik gab es zuletzt zwei Anzeigen im tierschutzrelevanten Bereich. Wir bewegen uns also auf beispiellos hohem Niveau, was die Gesundheit der Pferde betrifft“.
Fazit: In den vergangenen 25 Jahren hat sich in der Haltung von Fiakerpferden viel getan. Und: Die Fiaker gehören zu Wien, wie die Gondeln zu Venedig.
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