Strittiges Projekt

ÖBB planen „PV-Monster“ in der Hochwasserzone

Oberösterreich
02.08.2024 10:00

Der Unmut bei vielen Ennsern ist groß: Mitten im Aussiedler-Gebiet, dort wo in den vergangenen zehn Jahren ein Ökosystem aus Pflanzen und Tieren entstanden ist, soll nun, um Bahnstrom zu erzeugen, eine 20 Hektar große Solaranlage der ÖBB entstehen. Die Einspruchsfrist für Anrainer läuft noch bis 9. August.

Nicht nur die Oberösterreicher, die damals persönlich betroffen waren, denken ungern und mit einem Schaudern an den Juni 2013 zurück.

Als die Hochwassermassen quer über das Land ein unfassbares Bild der Verwüstung hinterließen und unzählige Menschen danach vor den Trümmern ihrer Existenz standen. So etwa auch in den Ennser Ortsteilen Enghagen, Kronau und Erlenhagen. Hunderte hatten ihren Wohnsitz verloren – aufgrund des Hochwasserrisikos ist das Gebiet nach wie vor rote Zone, dürfen Flächen nicht bebaut werden.

Schrebergärten ohne Hütten und Zäune
Die Aussiedler haben größtenteils ihre Grundstücke als „Schrebergärten“ behalten, dürfen jedoch – weil Grünland – keine Werkzeughütten und Gartenzäune errichten. In den vergangenen zehn Jahren hat sich eine eindrucksvolle Vegetation – ein Ökosystem aus Pflanzen und Tieren – entwickelt. Das nun wohl mit einer Photovoltaik-Anlage zugepflastert wird.

28 Fußballfelder große PV-Anlage
Denn die ÖBB wollen dort ein wahres „PV-Monster“, eine Freiflächenanlage mit 21,75 Megawattpeak auf einer Fläche von rund 28…Fußballfeldern errichten. Im Juni hat die ÖBB Infrastruktur AG beim Ministerium von Leonore Gewessler um die eisenbahnrechtliche Genehmigung des Projektes angesucht, die Prüfung läuft.

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Spannend ist natürlich, dass der Projektbetreiber die ÖBB ist. Die Österreichischen Bundesbahnen fallen in die Zuständigkeit der Ministerin für Mobilität, Leonore Gewessler. Dass die Grüne Bundesministerin auf EU-Ebene für das Renaturierungsgesetz stimmt und andererseits in Enns ein bestehendes Ökosystem mit einer Fläche von über 20 Hektar zupflastern will, passt einfach nicht zusammen.

Rudi Höfler, Ennser VP-Vizebürgermeister

„Völlig unverständlich“
Bis 9. August haben Anrainer nun Zeit, Stellungnahmen und Einwendungen zum Projekt abzugeben. VP-Stadtvize Rudi Höfler ist fassungslos: „ Die Aussiedler dürfen dort bis heute nichts bauen. Völlig unverständlich, dass für die Errichtung dieser gigantischen PV-Anlage plötzlich andere Regeln gelten.“

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