Weißes Hemd, dunkle Hosen, saubere Sneaker. Ganz artig sitzen zwei 20-Jährige am Landesgericht Klagenfurt vor den Geschworenen. Doch der “Musterknaben-Auftritt“ täuscht – dahinter lauert Dunkelheit. Denn Sam und Leo (Namen geändert) sollen hinter dem grausamen Tod eines 30-Jährigen stecken. Der Mann verblutete an gezählten 18 Messerstichen.
„In meinen 20 Jahren habe ich so etwas Kaltblütiges selten erlebt“, zeigt sich auch Richter Uwe Dumpelnik schockiert von der Abgebrühtheit der beiden jungen Erwachsenen vor ihm. Denn nicht nur die zur Last gelegte Tat zeugt von besonderer Grausamkeit – auch das sogenannte „Nach-Tat-Verhalten“. Aber der Reihe nach.
Es ist ein kalter Jännerabend. Sam und Leo gehen mit Freunden aus, treffen einander zufällig in einem Klagenfurter Lokal. Man redet, beklagt, das man zu wenig Geld hat für Alkohol und Drogen, dann schlägt Sam vor, doch einen flüchtigen Bekannten zu besuchen. Der 30-jährige Marco L. war bekannt dafür, einen kleinen Kühlschrank in der Wohnung zu haben, indem sich Drogen befinden sollten, vor allem Kokain.
„Wir sind vom Lokal zu ihm gegangen“, schildern beide. Eine der wenigen Aussagen, die übereinstimmen. Bei allem anderen gibt es Unstimmigkeiten. Wann das Messer ins Spiel kam, was genau geplant war. Fakt ist, dass das Duo bei L. aufgetaucht ist und dieser den Besuch nicht überlebt hat. „Ich erinnere mich nur, dass ich Angst hatte und zugestochen habe – etwa zweimal“, sagt Sam.
Gerichtsmedizinerin Alexandra Meierhofer kann das widerlegen: „Es sind insgesamt 18 Messerstiche – 17 am Vorderkörper, ein weiterer im Schulterblatt, so fest, dass sogar die Spitze des Messers in der Wunde stecken geblieben ist.“ Das Opfer erlitt einen Herzstich, eine Luftembolie, mehrere Rippen, Muskeln, sogar die Leber wurden durchtrennt. Hätte der junge Mann überleben können, wenn Leo, der angeblich starr vor Schreck daneben gestanden sei, Hilfe geholt hätte?
Alles war voller Blut
„Wir reden von einem Zeitfenster von drei bis fünf Minuten“, so die Expertin Meierhofer. „Aber das Opfer hat einfach nicht die Chance bekommen, dass es gerettet hätte werden können.“ Denn statt die Rettung zu alarmieren, sind beide Tatverdächtigen weggerannt. Nicht weit. Und wohl auch nicht besonders betroffen: „Ich bin heim, das Blut abwaschen und mich umziehen“, schildert der Hauptangeklagte. „Es war ja alles voller Blut. Dann habe ich mich von der Freundin wieder in die Stadt chauffieren lassen.“ „Sie sind nach so einem Erlebnis wieder weggegangen?“, hakt ein Berufsrichter nach. „Ja, schon, ich hatte das mit Freunden ausgemacht.“
Ich bin heim, das Blut abwaschen und mich umziehen. Dann habe ich mich von der Freundin wieder in die Stadt chauffieren lassen.
Angeklagter (20) vor Gericht
Langjährige Haftstrafen
Die Geschworenen brauchen nicht sehr lange, um zu ihren Urteilen zu kommen: Sam wird wegen Mordes schuldig gesprochen, erhält 17 Jahre Haft; sein Komplize kommt als Beitragstäter für den schweren Raub mit knapp zwölf Jahren Haft davon – nicht rechtskräftig.
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