Weil sie viel zu lange für ihre Tour benötigten, gerieten am Sonntag zwei polnische Kletterer im Wilden Kaiser in Tirol in Bergnot. Trotz strömenden Regens stiegen Bergretter in der Nacht auf, die Alpinisten wurden schließlich erst am Morgen vom Hubschrauber geborgen.
Die zwei Männer (27 und 28 Jahre) waren am Sonntag bereis um 7 Uhr morgens bei der Griesner Alm gestartet und in der Folge auf der Kletterroute „Via Classica“ Richtung Gipfel der Fleischbank (2186 m) aufgestiegen. Dabei handelt es sich um eine Kletterroute im fünften Schwierigskeitsgrad. Die durchschnittliche Zeit für die Tour liegt bei rund 6 Stunden.
„Sie brauchten für Tour ewig“
„Die normale Abstiegsroute verläuft über den Gipfel. Die beiden Männer brauchten für die Tour aber ewig. Weil sie daher schon so spät dran waren und es in Strömen regnete, entschieden sie, wieder über den Nordgrat abzusteigen“, schildert Thomas Müllauer von der Bergrettung St. Johann.
Wir hatten telefonisch Kontakt mit den Männern, die über Licht verfügten, und wollten ihnen die weitere Route telefonisch durchgeben.
Thomas Müllauer, Bergrettung St. Johann
Allerdings kam das Duo lediglich bis knapp oberhalb des sogenannten Fleischbankpfeilers in rund 1250 Meter Höhe. Völlig durchnässt und erschöpft, schlugen die Kletterer am Montag gegen 1 Uhr Alarm. Zur Erinnerung: Gestartet waren sie am Sonntagmorgen um 7 Uhr.
Männer waren zu erschöpft
„Wir hatten telefonisch Kontakt mit den Männern, die über Licht verfügten, und wollten ihnen die weitere Route telefonisch durchgeben“, sagt Thomas Müllauer. Aber die beiden Alpinisten waren offenbar schon viel zu erschöpft, um weiter abzusteigen.
Zwei-Stunden-Aufstieg für Bergretter
In der Folge stiegen vier Bergretter aus St. Johann von der Griesner Alm unter widrigsten Wetterbedingungen – strömender Regen – in der Nacht zu den Feststeckenden auf. „Wir waren nach rund 2 Stunden bei den unterkühlten Kletterern“, schildert Müllauer. Die Einsatzkräfte begannen sofort mit dem Wärmemanagement und versorgten das Duo mit Getränken.
Die Bergretter begannen dann zusammen mit den Polen mit dem Abstieg, mehr als 100 Höhenmeter waren wegen des schlechten körperlichen Zustands jedoch nicht mehr möglich.
Mittels Hubschraubertau geborgen
Unterdessen machten sich zwei weitere St. Johanner Bergretter auf den Weg. „Bei Einbruch der Morgendämmerung kontaktierten sie den Notarzthubschrauber C 1, dem es dann gegen 5 Uhr – auch dank einer Wetterbesserung – gelang, die Opfer aus der Luft zu erreichen und das Duo am Tau hinunter zum Stripsenjochhaus zu fliegen. Wir haben den Hubschrauber bei der Bergung unterstützt“, erzählt Müllauer.
Die Polen waren zum Glück nur leicht unterkühlt, sonst jedoch unverletzt und mussten nicht ins Krankenhaus. Für die Einsatzkräfte hieß es erst gegen 9 Uhr morgens „Feierabend“.
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