Fr, 19. Oktober 2018

Politisches Asyl?

05.12.2012 08:36

Antivirus-Pionier John McAfee nach Guatemala geflohen

Der wegen Mordverdachts gesuchte Antivirus-Pionier John McAfee ist nach Guatemala geflohen. Er wolle dort politisches Asyl beantragen, teilte McAfee am Dienstag bei einer Pressekonferenz (Bild) in Guatemala-Stadt mit. Sein Anwalt Telesforo Guerra zeigte sich zuversichtlich, dass das guatemaltekische Außenministerium dem Asylantrag stattgeben werde. Dass McAfee im benachbarten Belize wegen mutmaßlichen Mordes gesucht werde, habe politische Gründe.

McAfee, Gründer des gleichnamigen US-Unternehmens für Virenschutzprogramme, ergänzte, er werde verfolgt, weil er aufgehört habe, der Regierung des zentralamerikanischen Kleinstaates auf dem Umweg über politische Parteien Geld zu zahlen. Er spende demnach zwar weiterhin, aber nur mehr direkt an diejenigen, die es nötig hätten. Guerra hatte zuvor gesagt, McAfee fürchte "um sein Leben". Nachdem er die Regierung von Belize unterstützt habe, "wollen sie heute immer mehr Geld, sie streichen es ein, ohne zu investieren".

Nachbar erschossen in Swimmingpool aufgefunden
Der 67-jährige Antivirus-Pionier steht nach Polizeiangaben im Verdacht, einen Nachbarn seines Anwesens auf der Karibikinsel Ambergris Caye vor der Nordostküste Belizes erschossen zu haben. Der 52-jährige Nachbar, ebenfalls ein US-Bürger, war am 10. November mit einer Schusswunde im Kopf tot in seinem Swimmingpool aufgefunden worden. Der Polizei zufolge gab es keine Hinweise auf ein gewaltsames Eindringen in das Haus von Gregory Faull, allerdings fehlten ein Mobiltelefon und ein Laptop.

McAfees Sicht der Dinge ist eine andere: Er vermutet hinter der ganzen Sache einen Regierungskomplott. Belize, eine "gewalttätige und verlogene Gesellschaft mit einer korrupten Polizei und Regierung", habe sich gegen ihn verschworen. Der Anschlag habe nicht Faull, sondern ihm gelten sollen, berichtete McAfee dem US-Magazin "Wired" nach einer Razzia in seinem Anwesen per Telefon. Dem Zugriff der Behörden konnte er sich entziehen, indem er sich auf seinem Anwesen im Sand vergrub. Seitdem befand sich McAfee auf der Flucht.

Mit Schminke und Kostümen untergetaucht
Wie er bis zu seinem jetzigen Auftauchen in Guatemala untertauchen konnte, hatte er immer wieder in seinem persönlichen Blog "The Hinterland" geschildert. Demnach hatte er sich seinen Bart und seine Haare fast weiß gefärbt, die Haut im Gesicht, dem Nacken und an den Händen hingegen mittels Schuhcreme ebenso wie die Zähne dunkler gemacht. Kaugummis in den Backen und ein Tampon in der Nase hatten ihm geholfen, sein Gesicht dicker wirken zu lassen.

Mit wechselnden Verkleidungen, einem starken spanischen Akzent und einem veränderten Gang hatte sich McAfee eigenen Schilderungen zufolge während seiner Flucht als Verkäufer für Holzschnitzereien oder Burritos ausgegeben. Ein anderes Mal mimte er eigenen Angaben zufolge einen deutschen Touristen. Mit teilweise bandagiertem Gesicht, einer Badehose sowie einem geschmacklosen und viel zu großem Hawaii-Hemd habe er jeden angeschrien, der ihm zuhören wollte: "Leck mich um ausch!", so McAfee wörtlich in seinem Blog.

Behörden mit Doppelgänger genarrt
In dem Blog hatten Freunde des 67-Jährigen am vergangenen Freitag schließlich auch verkündet, dass McAfee an der Grenze zu Mexiko gefasst worden sei. Dabei hatten sie sich auf einen anonymen Anrufer berufen. Der Kontakt zu McAfee sei seitdem abgebrochen. Am Montagabend meldete sich der Gesuchte selbst zu Wort und erklärte, es habe sich um einen Doppelgänger gehandelt, der als Ablenkungsmanöver den Behörden zugespielt worden sei. Er sei nicht mehr in Belize, doch auch nicht außer Gefahr, hieß es.

Drogen, Waffen, junge Frauen
Wem in diesem Fall zu glauben ist, ist nur schwer zu beurteilen. Denn McAfees Aussagen stehen Berichte gegenüber, denen zufolge sich der 67-Jährige zuletzt zunehmend von seinen Kollegen entfernt haben und "unberechenbar" gewesen sein soll. Zudem soll der Softwarespezialist Kontakte ins kriminelle Milieu gehabt und sich mit einem der berüchtigsten Gangster in Belize eingelassen haben. Eine seiner Geliebten, "Amber Two", sei die Freundin eines inzwischen erschossenen Gangsters gewesen. Dessen Gang habe sie verfolgt, da sie ihren Boss an die Polizei verraten habe. "Rivalisierende Gangs jagen hierzulande andauernd die Freundinnen von Anführern", kommentiert McAfee.

Auch mit Drogen soll McAfee experimentiert haben. In Orange Walk auf dem Festland baute er ein Labor auf, um nach eigenen Angaben Dschungelpflanzen für medizinische Zwecke heranzuziehen. In Medienberichten war jedoch von Experimenten mit "bewusstseinserweiternden Substanzen" die Rede. Bereits im April wurde der Millionär vorübergehend festgenommen, weil er mit einer 17-Jährigen zusammenlebte. Die Polizei entdeckte bei dieser Gelegenheit in McAfees Haus ein wahres Waffenarsenal, darunter sieben Pumpguns und zwei Handfeuerwaffen (siehe Infobox).

Mit Nachbar zerstritten gewesen
Auch das Verhältnis zwischen McAfee und dem Mordopfer Faull soll alles andere als rosig gewesen sein. Laut einem Bericht des Inselblatts "San Pedro Sun" sollen McAfee und Faull zerstritten gewesen sein. Der kalifornische Bauunternehmer soll sich wegen McAfees Hunden und der bewaffneten Leibwächter beschwert haben. Vor wenigen Wochen waren vier Hunde McAfees vergiftet worden. Kurz darauf war Faull tot.

Durch Virenschutz-Software reich geworden
John McAfee ist ein amerikanischer Programmierer, nach dem das 1987 gegründete Unternehmen McAfee und die gleichnamige Virenschutzsoftware benannt ist. Als einer der ersten Virenjäger in der Geschichte der Computerbranche und Erfinder eines der allerersten Virenprogramme scheffelte McAfee Millionen, die er nach dem Börsengang seines Unternehmens 1999 für einen Ausstieg nach Belize nutzte.

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