Fr, 19. Oktober 2018

VCÖ-Studie

03.12.2012 12:33

Ö-Verkehr mit vierthöchsten CO2-Emissionen in EU

Österreichs Verkehr produziert die vierthöchsten CO2-Emissionen unter 27 EU-Staaten. Zu diesem Ergebnis ist eine am Montag präsentierte Untersuchung des Verkehrsclubs Österreich gekommen. Pro Kopf werden demnach hierzulande jährlich 2.525 Kilogramm Kohlendioxid ausgestoßen. Im Bundesländer-Vergleich ist Tirol negativer Spitzenreiter mit 3.400 Kilogramm CO2 pro Kopf pro Jahr. Der Durchschnitt der EU-27 liegt bei 1.815 Kilogramm.

Die beste Klimabilanz in Österreich weist der Studie zufolge, deren Erkenntnisse auf den Daten der Europäischen Umweltagentur EEA basieren, der Verkehrssektor in Vorarlberg auf, mit 1.650 Kilogramm CO2 pro Kopf, "Silber" geht an Wien mit 1.860 Kilogramm. "Beide Bundesländer haben ihre Spitzenplätze den verstärkten Investitionen in den Öffentlichen Verkehr zu verdanken. Vorarlberg ist zudem Österreichs Spitzenreiter beim Radfahren", ergänzte VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen.

Die Untersuchung des Verkehrsclubs zeige überdies, dass in Österreich jene Bundesländer, die an Deutschland oder Italien grenzen, eine schlechtere Klimabilanz aufweisen. Am höchsten sind die Pro-Kopf-Emissionen des Verkehrs in Tirol. Ursache sind die Transit-Lkws, die in Tirol ihre Tanks mit Diesel auffüllen, der hierzulande deutlich günstiger ist als in Deutschland oder Italien.

"Vom Paulus zum Saulus entwickelt"
"Österreichs Verkehrssektor hat sich leider in den vergangenen zwei Jahrzehnten vom Paulus zum Saulus entwickelt. War Österreich bei der Einführung des Katalysators noch der Vorreiter in Europa, so zählt unser Land heute zu den Schlusslichtern beim Klimaschutz im Verkehr", fasste Rasmussen zusammen. Der VCÖ fordert nun von der heimischen Politik ein umfassendes Klimaschutzpaket, "um den Verkehr auf Klimakurs zu bringen", wie es am Montag hieß.

Der VCÖ spricht sich zudem für mehr "Steuergerechtigkeit" bei der Mineralölsteuer aus: Derzeit werde Diesel um 8,5 Cent pro Liter niedriger besteuert als Eurosuper, obwohl die Verbrennung von einem Liter Diesel um fast 14 Prozent mehr CO2 sowie deutlich mehr giftige Schadstoffe (Stickoxide, Feinstaub) verursache. Vom Steuerprivileg auf Diesel profitiere vor allem der Lkw-Verkehr, da fast alle Lkws mit Diesel fahren. Rasmussen: "Es gibt keinen Grund, warum Lkws für einen Liter Sprit weniger Mineralölsteuer zahlen als jene zwei Millionen Autofahrer, die einen Benzin-Pkw fahren."

Rumänien, Bulgarien und Ungarn als "Sieger"
Dass die "Sieger" der Studie ausgerechnet Rumänien (690 Kilo/Kopf/Jahr), Bulgarien (1.045) und Ungarn (1.145) heißen, liege laut VCÖ an Parametern wie Motorisierungsgrad (Pkw pro Kopf), Transit, Güterverkehr oder auch Tanktourismus. Letzterer katapultiert etwa Luxemburg traditionell auf den letzten Platz (12.805 Kilo/Kopf/Jahr). Und das am Montag am Rande der Klimakonferenz in Doha zum "Klimaschutz-Weltmeister" gekürte Dänemark rangiere mit 2.340 Kilogramm deshalb nur auf Platz 22, weil dort der Güterverkehr quasi fast nur auf der Straße abgewickelt werde und nicht auf der Schiene.

Das "Phänomen" Luxemburg erklärte die VCÖ-Expertin folgendermaßen: "Das Land ist de facto die Diskont-Tankstelle der EU. Damit werden die Emissionen durch den Tanktourismus in die Höhe getrieben. Auch Österreichs Klimabilanz wird aufgrund der niedrigeren Mineralölsteuer durch den Tanktourismus verschlechtert." Im Kyoto-Protokoll haben sich die Staaten geeinigt, dass die Emissionen des Verkehrs auf Basis des im Land getankten Sprits erhoben werden.

Austoß von CO2 erreicht heuer neue Rekordhöhe
Wie indessen aus einem aktuellen Bericht des Global Carbon Project hervorgeht, werden die weltweiten Emissionen von Kohlendioxid heuer ein neues Rekordhoch erreichen (siehe Story in der Infobox). 35,6 Milliarden Tonnen des als klimaschädlich geltenden Gases wurden 2012 in die Atmosphäre geblasen - so viel wie nie zuvor.

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