25.11.2012 21:34 |

Noblesse oblige

Jaguar XF Kombi: Britische Eleganz in der Business Class

Jaguar hat als Marke etwas, das man als breiten Rücken bezeichnen könnte. Sonst könnten die Briten nach dem nicht gerade begeisternden Erstversuch in Sachen Kombi (X-Type, vor drei Jahren ausgelaufen) jetzt wohl nicht stolz und würdevoll einen solchen in der Business Class lancieren. Der Jaguar XF Sportbrake tritt gegen das Dreigestirn A6, 5er und T-Modell an, und zwar mit britischer Noblesse.

Jaguars erster Kombi war eine Klasse tiefer angetreten und basierte auf dem Ford Mondeo. Das war nichts fürs Auge, nichts fürs Herz (Frontantrieb) und ein Vierzylinder-Diesel passte auch nicht ins Selbstverständnis der Jaguar-Fans.

Gut. Ford ist für Jaguar passé, jetzt hat der indische Tata-Konzern das Sagen, mischt sich aber offenbar nicht viel ein. Diesmal stimmen Klasse, Optik und überhaupt das Gesamtpaket. Auf den ersten Blick mag es mutig erscheinen, in das Revier der Platzhirschen einzudringen, doch der XF Sportbrake wirkt, als hätten die Briten nie etwas anderes gemacht, als elegante Kombis zu bauen. Bis zu B-Säule entspricht er der Limousine, um sich dahinter einer langen Dachlinie hinzugeben, die in einem Dachspoiler ausklingt. Elegantes Chrom umspielt die Fensterlinie, nach hinten leicht zusammenlaufend, und eine breite Chromspange in der Heckklappe unterstreicht geradezu den Chrom-Jaguar, das Markenlogo in der Mitte.

Laderaum nicht nur für Seidentaschen
Doch der XF Sportbrake kann mehr als nur gut aussehen. Auf der Rückbank bietet er fünf Zentimeter mehr Kopffreiheit als die Limousine, Großgewachsene können auch hinter Großgewachsenen hervorragend reisen. Sogar mit viel Gepäck: Das 4,97 Meter lange Fahrzeug – sieben Zentimeter länger als etwa das Mercedes T-Modell – bietet 550 Liter Kofferraumvolumen, bzw. 1.675 Liter , wenn man die geteilte Rücklehne (mit einem Handgriff vom Kofferraum aus) umklappt. Damit liegt der Jaguar auf dem Niveau von Audi (565 bis 1.680 Liter) und BMW (590 bis 1.670 Liter). Das Mercedes-T-Modell schluckt deutlich mehr (695 bis 1.950 Liter).

Die völlig ebene Ladefläche ist 1,97 Meter lang und 1,06 Meter breit. Zur Ladungssicherung setzt der britische Kombi wie die deutsche Konkurrenz auf Fixierungsschienen und Netze. Die Heckklappe schwingt optional elektrisch auf und zu, eine Zuziehautomatik ist Serie. Erhältlich ist eine Kunststoffplane, die bei Bedarf den edlen Teppich schützt.

Noblesse oblige
Der Innenraum ist kühl und elegant gestaltet. Es ist allein schon ein Genuss, wenn sich beim Aktivieren der Zündung die eleganten Abdeckungen der Lüftungsschlitze (leicht hörbar) zurückziehen. Der Wählhebel der ebenso serienmäßigen wie tadellosen Achtgangautomatik ist ein metallener Drehknopf. So edel kann kein noch so modern gestalteter Knüppel wirken. In Sachen Bedienung setzt Jaguar auf einen großen Touchscreen, auch Heizung und Lüftung sind da integriert. Das sorgt durch Verzicht auf Knöpfe und Schalter für eine aufgeräumte Konsole und funktioniert im Prinzip auch gut - schneller, einfacher und teils sogar blind geht es aber bei den Deutschen.

Beim Multimedia-Angebot legt Jaguar gerade nach und offeriert nun Systeme des britischen Herstellers Meridian. Das Navigationssystem ist nicht ganz auf der Höhe der Zeit, auch hier ist man in Bayern wie auch im Schwabenland voraus. Die Auswahl an Assistenzsystemen gestaltet sich übersichtlich. Jaguar beschränkt sich auf einen Totwinkel-Assistenten sowie eine adaptive Geschwindigkeitsregelung (ACC).

Jaguar-adäquate Diesel
Unter der Motorhaube des Jaguar XF Sportbrake werken ausschließlich Turbodieselmotoren, die Benziner bleiben der Limousine vorbehalten. Das ist nur konsequent, denn Otto ist in der großen Kombiklasse nur ein marginal vertretener Name. Zur Wahl stehen zwei extrem seidige 3,0-Liter-Sechszylinder mit 240 PS und 275 PS (500 bzw. 600 Nm bei 2.000/min.) sowie ein 2,2-Liter-Vierzylinder mit 200 PS und 450 Nm. Sogar dieser läuft so ruhig, ist so gut gedämmt und arbeitet so kraftvoll, dass man nicht zwangsläufig auf eine soziale Notlage des Fahrers schließen muss, wenn er ihn als Motorisierung wählt. Er ist mit 5,1 l/100 km auch der Verbrauchskaiser im Bunde, der Sechszylinder genehmigt sich in beiden Ausbaustufen 6,2 Liter. Erfreulich: Das serienmäßige Start-Stopp-System gehört zu den nicht nervenden seiner Art.

Das Gustostückerl ist natürlich der stärkste Motor, der in der S-Version faktisch vehement und akustisch überaus zurückhaltend zur Sache kommt. 6,6 Sekunden für den Sprint auf 100, abgeregelte 250 km/h Höchstgeschwindigkeit, und das bei größtmöglicher Entspannung von Fahrer und Passagieren. Dazu trägt auch die (nur beim Kombi) serienmäßige hintere Luftfederung mit automatischem Niveauausgleich bei, die das perfekte Fahrverhalten des XF auch bei voller Beladung erhalten soll. Ein adaptives Fahrwerk ist Option.

Die sportlich/praktische britische Eleganz lässt sich Jaguar durchaus günstig honorieren: Bei 51.500 Euro liegt der Einstiegspreis für den Vierzylinder, die Sechszylinder kosten 57.300 und 61.700 Euro, bis Jahresende sind es jeweils 2.500 Euro weniger. Dabei sind die Basis-Raubkatzen nicht einmal mager ausgestattet, so gehören etwa Tempomat, Xenon mit Tagfahr-LED, Zweizonenklima oder die elektrisch verstellbare Lenksäule zur Serienausstattung. Natürlich finden sich noch eine Menge Goodies in der Aufpreisliste.

Jaguar hat das Facelift der XF-Limousine dazu genutzt, die Kombiversion nachzuschießen. Gut gebrüllt, Jaguar, diese Ladekatze ist mit ihrer britischen Eleganz als Bereicherung anzusehen.

Warum?

  • Seidige Motoren
  • Eleganter Auftritt

Warum nicht?

  • Kein Allradantrieb erhältlich

Oder vielleicht …

… Audi A6 Avant, BMW 5er Touring, Mercedes T-Modell

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