„Krone“-Kommentar

Die politische Predigt des Kardinals

Politik
15.06.2024 06:00

Abschied von Brigitte Bierlein. Die Glocken des Stephansdoms sind verstummt, Österreich hat sich um den Sarg seiner ersten Bundeskanzlerin versammelt. Berührende Einträge im Kondolenzbuch. „Sie haben uns Mut und Zuversicht in einer schwierigen Zeit gegeben.“ „Wir verneigen uns vor einer untadeligen Frau und Politikerin.“

Auffällig viele Frauen sind in den Dom gekommen. Die Top-Juristin war ein Vorbild. Erste weibliche Generalanwältin, erste Vizepräsidentin im Verfassungsgerichtshof und auch dessen erste Präsidentin. „Österreich hat einen Girlboss verloren“, sagt ein Trauergast der Generation Z, weiblich.

Nach dem Mozart-Requiem in d-Moll spricht der Kardinal. Von Brigitte Bierleins lebenslangem Einsatz für Recht und Gerechtigkeit. Und das, obwohl „himmelschreiendes Unrecht, Gewalt, Korruption und Machtmissbrauch die Szene des Theaters dieser Welt beherrschen“.

Dann dieser starke Satz: „Wäre es nicht der richtige Moment, dass wir alle von diesem Dom mit dem festen Entschluss weggehen, einander die kommenden Monate bis hin zur Wahl mit Respekt und Achtung zu begegnen, auf Hasspostings, auf Verächtlichmachung der anderen zu verzichten?“

Es war wohl die politischste Predigt des Kardinals. Eine dringende Ermahnung, wie Frau Bierlein der Republik zu dienen und die Würde des Menschen zu achten. Man könnte auch sagen, Christoph Schönborn hat der Politik die Leviten gelesen.

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