Klima schützen, Migration stoppen oder mehr Selbstbestimmung? Wir waren bei zwei Wahllokalen und wollten wissen, was sich die Wiener von der Brüsseler Führungsriege erhoffen. Mit Kritik wird nicht gespart.
Menschen aus allen EU-Ländern pilgerten am Sonntag zur Wahlurne – auch die Wiener hatten ab 7 Uhr früh die Möglichkeit dazu. Das Interesse war geringer als bei nationalen Wahlen, aus dem Grund, dass die EU für manche Menschen nicht greifbar ist. Wer am Sonntag zur Wahl schritt, tat dies aber mit gewissen Wünschen und Erwartungen. Die „Krone“ hat Wiener vor dem Wahllokal abgepasst.
„Ich stehe der EU grundsätzlich positiv gegenüber. Spannend wird der Rechtsruck, die Kommissionsbildung wird nicht einfach. Wichtig ist innere Stabilität und eine geschlossene Haltung gegen Russland“, sagt Thomas Berger.
„Klimaschutz ist für mich das Wichtigste“, sagt wiederum Benjamin Taubad, der mit dem Fahrrad zum Wahllokal in der Zeltgasse im achten Bezirk angereist ist. Könnte ein Rechtsruck die Klimapolitik ausbremsen? „Das ist zu befürchten, aber ich bin Religionslehrer, also habe ich noch Hoffnung.“
1,1 Millionen Wiener hatten am Sonntag die Möglichkeit, ihre Stimme bei der EU-Wahl abzugeben. Darin enthalten sind 11.015 Auslandsösterreicher und 15.636 nichtösterreichische EU-Bürger.
Wiener kritisieren Versäumnisse bei Klimaschutz und Integration
Und auch den jüngeren Wählern liegt der Klimaschutz am Herzen. „Ich wünsche mir eine bessere Klimapolitik. Die EU hat ihre Ziele nicht erreicht. Außerdem braucht es eine bessere Integrationspolitik. Die Grenzen dichtmachen, löst die Probleme nicht“, sagt Leah Luttenberger.
„Das Schengen-Abkommen in der Migrationspolitik ist nicht ausreichend. Überhaupt tritt die EU nach außen zu schwach auf. Und in Sachen Energiepolitik ist sie am falschen Kurs. Mit dem Verbrenner-Aus zerstören wir unsere Kernindustrie“, meint Paul Malliga.
Und auch Maria Kerimova übt Kritik am Umgang mit Migration: „Ich bin gebürtige Bulgarin, der Eintritt in die EU hat meiner Familie und mir sehr geholfen. Meine Eltern haben hart gearbeitet, damit wir ein besseres Leben haben. Viele Migranten, die jetzt kommen, wollen nichts mehr leisten. Das geht nicht.“
Meiner Meinung nach tritt die EU nach außen zu schwach auf. In Sachen Migration reicht das Schengen-Abkommen nicht aus. Der Euro ist eine Fremdwährung, die wir nicht beeinflussen können.

Paul Malliga
Bild: Martin A. Jöchl
Für mich ist der Klimaschutz das Allerwichtigste. Wir steuern auf eine Katastrophe zu, die EU muss jetzt gegensteuern. Bei dieser Wahl werden die Klimawandel-Leugner gewinnen. Hoffnung habe ich aber.

Benjamin Taubad
Bild: Martin A. Jöchl
Ich wünsche mir eine bessere Klimapolitik. Die EU hat ihre gesteckten Ziele diesbezüglich nicht erreicht. Und auch bei der Integrationspolitik läuft einiges schief. Die Grenzen dicht machen, hilft nicht

Leah Luttenberger
Bild: Martin A. Jöchl
Ich stehe der EU positiv gegenüber. Spannend wird der Rechtsruck, der die Kabinettsbildung erschwert. Wichtig ist in jedem Fall innere Stabilität und eine geschlossene Haltung gegen Russland.

Thomas Berger
Bild: Martin A. Jöchl
Ich bin gebürtige Bulgarin, der EU-Beitritt hat einiges erleichtert. Trotzdem mussten meine Eltern hart arbeiten, um hier ein gutes Leben zu haben. Den Migranten, die jetzt kommen, wird es zu leicht gemacht.

Maria Kerimova
Bild: Martin A. Jöchl
Wir profitieren von der EU auf vielen Ebenen. Aber unsere Politiker sollen in Brüssel nicht nur feiern, sondern auch etwas hackeln. Außerdem sollen kriminelle Ausländer schneller abgeschoben werden.

Rudolf Poppe
Bild: Martin A. Jöchl
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