Im November musste Wollsdorf Leder bereits 150 Stellen abbauen. Nun die nächste Hiobsbotschaft: Der internationale Lederhersteller aus Wollsdorf nahe Gleisdorf musste beim Landesgericht Graz ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung anmelden. Um die Fortführung des Traditionsbetriebs muss jetzt gerungen werden.
Es ist der nächste Schlag für die steirische Wirtschaft. Am Freitag mussten – nachdem Sanierungsbemühungen mit den Banken gescheitert waren – sowohl die Wollsdorf Leder Schmidt & Co GmbH als auch die Wollsdorf International GmbH (sie ist die Holdinggesellschaft) am Landesgericht Graz ihre Insolvenz eingestanden.
Die Aktiva der beiden Teile der „Wollsdorf-Gruppe“ belaufen sich auf rund elf Millionen Euro, die Passiva auf knapp 60 Millionen. Betroffen sind laut AKV weit mehr als 600 Gläubiger und 365 Mitarbeiter (darunter 275 Arbeiter und fünf Lehrlinge). Beide Unternehmen bieten eine Sanierungsplanquote von 20 Prozent, zahlbar innerhalb von zwei Jahren vom Tag der Annahme des Sanierungsplanvorschlages an.
Krise in Automobilindustrie als Grund
Grund für die finanzielle Misere ist die Krise in der Automobilindustrie, wie der Kreditschutzverband von 1870 in einer Aussendung erklärt. Ab September 2024 seien massive Nachfragerückgänge erkennbar gewesen. Die Situation habe sich 2025 zwar erholt, „das Umsatzniveau vor der Automotive-Krise von 2024 konnte jedoch nicht mehr erreicht werden“. Autoleder sorgt für 81 Prozent des Umsatzes, Möbelleder (sieben Prozent) und Flugzeugleder (sechs Prozent) können das nicht kompensieren.
Der KSV erklärt weiter: „Im Bemühen, die Materialkosten zu senken, wurden mit den Lieferanten für Rohhäute neue Preise ausgehandelt und teilweise die Lieferanten auch gewechselt.“ Im Frühjahr 2025 sei es dann jedoch zu Lieferengpässen aufgrund zahlreicher Fälle von Maul- und Klauenseuche in Ungarn und der Slowakei gekommen. Diese Lieferengpässe hatten signifikante Auswirkung auf die gelieferte Qualität gehabt.
„Die Qualitätsprobleme konnten nicht behoben werden, da die Qualitätssicherungsstandards im Werk in Österreich nicht im erforderlichen Umfang gewährleistet werden konnten. Eine den Qualitätsstandards entsprechende, künftige gewinnbringende Produktion wäre nur im Rahmen einer Verlagerung des Produktionsstandorts nach Mexiko möglich.“ Diese wurde bereits im November eingeleitet.
Wie geht es nun weiter?
Doch wie soll es jetzt in Wollsdorf weitergehen? Der Plan ist es, die Sanierungsplanquote unter anderem aus Ergebnissen des operativen Betriebs, der Verwertung von Vermögenswerten, die Veräußerungen von Beteiligungen sowie Beiträgen aus der Gesellschaftersphäre oder von dritter Seite zu finanzieren. „Die zu bestellenden Insolvenzverwalter werden nunmehr zu prüfen haben, ob eine Fortführung im Interesse der Gläubiger liegt und der vorgelegte Sanierungsplan eingehalten werden kann“, so Brigitte Peißl-Schickmair, beim KSV Graz Leiterin des Bereichs Unternehmensinsolvenz. Zum Insolvenzverwalter für die Wollsdorf Leder Schmidt & Co GmbH wurde übrigens Mario Kapp bestellt (Stellvertreter: Christoph Kirchmeier). Der Insolvenzverwalter der Wollsdorf International GmbH ist Stefan Weileder, sein Stellvertreter ist David Seidl.
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