„Programm verwässert“
US-Künstler-Visa immer öfter für OnlyFans-Stars
Nachdem der britische Musiker John Lennon in den 1970er-Jahren fast abgeschoben wurde, hatten die USA spezielle Visa für Künstler eingeführt. Die begehrten Aufenthaltstitel werden aktuell aber immer häufiger an Erotikdarsteller und Influencer vergeben, wie eine Statistik zeigt.
Keinem Geringeren als John Lennon ist es zu verdanken, dass herausragende Künstler, Schauspieler oder Musiker eine Arbeitserlaubnis in den USA erhalten können. Der Ober-„Beatle“ wurde 1972 wegen einer fehlenden Aufenthaltserlaubnis beinahe abgeschoben. Worauf die USA ein Visum für Menschen mit „außergewöhnlichen Fähigkeiten“ einführte, das als besonders schwierig zu bekommen gilt. Umso schockierender ist eine neue Statistik: Mehr als die Hälfte der begehrten Künstler-Visa sollen laut Einwanderungsanwälten inzwischen an OnlyFans-Stars und andere Social-Media-Influencer gehen.
Wegen ihrer „außergewöhnlichen Fähigkeiten“ erhielt die Kanadierin Aishah Sofey ein Künstler-Visum:
Hohe Einkünfte reichen für Visum
Traditionell werden von Antragstellern für das O-1B-Visum „außergewöhnliche Fähigkeiten in den Künsten oder außergewöhnliche Leistungen in der Film- oder Fernsehindustrie“ verlangt. Sie müssen bestimmte Kriterien erfüllen, darunter Rollen in namhaften Produktionen, nationale Bekanntheit, eine Geschichte kommerzieller und/oder kritischer Erfolge oder hohe Einkünfte in ihrem Tätigkeitsfeld. Obwohl das Programm ursprünglich für klassische Künstler – Schauspieler, Musiker, Maler und ähnliche Berufe – gedacht war, konnten Social-Media-Influencer und auch Darsteller in sexuell expliziten Online-Plattformen ihre hohen Einnahmen, Werbedeals und Followerzahlen nutzen, um den erforderlichen Erfolg und die Anerkennung in ihrem Bereich nachzuweisen.
Hier feiert OnlyFans Star Yanet Garcia den Erhalt ihrer Green Card auf Instagram:
Phänomen trat während Coronapandemie auf
„Die Zeiten sind vorbei, in denen man ikonische Namen wie Boy George oder Sinéad O’Connor vertreten hat“, klagt der New Yorker Anwalt Michael Wildes, dessen Vater vor über 50 Jahren John Lennon vor der Abschiebung bewahrte. Stattdessen, so Wildes gegenüber der „Financial Times“, würden seit der Pandemie im Ausland geborene OnlyFans-Stars das O-1B-Feld dominieren. Zu den bekanntesten Namen gehört die in Mexiko geborene Yanet Garcia, die im Dezember auf ihrem Instagram den Erhalt ihrer US-Aufenthaltsgenehmigung feierte. Weitere ausländische OnlyFans-Stars mit Arbeitserlaubnis sind die gebürtige Chinesin Joyy Mei oder die in Kanada geborene Aishah Sofey, ein Mitglied des Florida-„Bop House“ (in dem bekannte OnlyFans-Stars zusammenleben).
Große Zunahme an ausgestellten O-1-Visa
Das US-Außenministerium hat seit 2017 insgesamt 125.351 O-1-Visa ausgestellt. Insgesamt ist die Zahl der O-1-Visa seit dem Jahr 2000 sprunghaft angestiegen – darunter ein Zuwachs von nahezu 50 Prozent zwischen 2014 und 2024. „Wir erleben Szenarien, in denen Menschen, die niemals hätten genehmigt werden dürfen, O-1-Visa erhalten“, kritisiert die Einwanderungsanwältin Protima Daryanani in der Financial Times. „Das Programm ist verwässert worden, weil die Leute lediglich die formalen Kriterien erfüllen.“
Der New Yorker Anwalt Shervin Abachi befürchtet, dass die Messung von „außergewöhnlicher Fähigkeit“ anhand von Klickzahlen und Einnahmen für traditionelle Künstler verheerende Folgen haben könnte. „Sachbearbeiter richten sich bei der Bearbeitung der O-Visa-Anträge fast ausschließlich an algorithmusbasierten Kennzahlen aus“, beklagt er sich. „Dabei bleibt wahre künstlerische Qualität oft auf der Strecke.“









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