Die Teuerung ist in Österreich weiterhin hoch – im Mai betrug sie laut Schnellschätzung der Statistik Austria 3,3 Prozent. Damit setzt sich der Trend sinkender Inflation zwar langsam fort, die angestrebten 2 Prozent dürften aber erst in rund eineinhalb Jahren realistisch sein.
„Die jetzige Inflation von 3,3 Prozent liegt im Bereich des Erwartbaren“, so Wifo-Ökonom Josef Baumgartner. Vor allem bei den Kosten für Haushaltsenergie ist eine Beruhigung zu bemerken, ebenso bei den Lebensmitteln und bei den Konsumgütern. Laut Baumgartner liegt das einerseits an günstigeren Rohstoffen, andererseits auch an einer insgesamt schwächeren Industrie.
Lieferengpässe beseitigt
Anders als in den vergangenen Jahren haben Betriebe auch mit keiner Knappheit aufgrund von Lieferengpässen mehr zu kämpfen. Wegen der sinkenden Energiepreise fällt auch das Wohnen nicht mehr so ins Gewicht, auch wenn die Mieten gestiegen sind. Anders als die Preise für Strom und Gas sieht es bei den Kosten für Sprit aus. Vor allem Benzin wurde in den vergangenen Wochen wieder teurer. Weil die Treibstoffpreise bereits vor einem Jahr deutlich gesunken sind, schlägt sich das auch nicht mehr so stark in der Jahresinflation nieder („Basiseffekte“).
Preistreiber bleiben hingegen die Gastronomie und der Tourismus. „Wir sehen vor allem im Dienstleistungssektor Steigerungen. Das liegt daran, dass diese Bereiche sehr arbeitsintensiv sind. Hier wirken sich die gestiegenen Lohnkosten aus“, so Baumgartner. Eine Differenz gibt es hier zwischen sehr ländlichen und sehr urbanen Regionen. Während die Nachfrage vor allem in touristischen Gegenden sehr gut ist, haben Wirte in touristisch schwachen Gebieten am Land hingegen mitunter Schwierigkeiten, höhere Preise unterzubekommen.
Eine der höchsten Inflationsraten in Europa
Baumgartner rechnet mit einem weiteren Sinken der Inflation in den kommenden Monaten. „Ende des Jahres dürfte ein Zweier vor dem Komma stehen“, so der Ökonom. Bis zum Zentralbank-Ziel von 2,0 Prozent ist es aber noch ein weiter Weg. Laut Wifo dürfte das frühestens Ende 2025 oder Anfang 2026 so weit sein.
In anderen EU-Ländern wurde das Ziel bereits erreicht oder wird sogar unterschritten. Die niedrigsten jährlichen Raten werden für Lettland (0,2 Prozent), Finnland (0,5 Prozent) sowie Italien und Litauen (0,8 Prozent) geschätzt. Am höchsten ist die Teuerung in Belgien (4,9 Prozent), Kroatien (4,3 Prozent), Portugal (3,9 Prozent) und Spanien (3,8 Prozent), danach folgt bereits Österreich. Die durchschnittliche Kernrate für die Eurozone dürfte laut Schätzung im Mai auf 2,9 Prozent steigen, nach 2,7 Prozent im April.
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