Seit heuer wird der Vorarlberger Biomüll in Deutschland entsorgt – absurd genug. Nun aber stellt sich heraus: Der Müll ist zu nass und wird daher viele hunderte Kilometer nach Niederösterreich transportiert.
Schon im Dezember 2022 sorgte ein Müll-Deal der besonderen Art für Kopfschütteln: Damals kam nämlich heraus, dass der Vorarlberger Biomüll ab dem Jahr 2024 im deutschen Amtzell verarbeitet werden sollte. Während die Lustenauer Recyclingfirma Loacker den deutschen Biomüll aus Ravensburg entsorgte (die „Kronenzeitung“ berichtete).
Dieses Ringelspiel wurde nun einen Gang höher geschalten. Denn wie sich jetzt herausstellt, ist der Vorarlberger Biomüll gar nicht dafür geeignet, in Deutschland verarbeitet zu werden – zu nass, heißt es im Biogas-Werk AWB Amtzeller Werk für Biogas GmbH in Oberschwaben laut Wirtschaftspresseagentur. Das Problem ist offenbar, dass es sich bei den Vorarlberger Müllbergen um reinen Haushaltsmüll ohne Gartenabfälle handelt, das führt zu der flüssigen Konsistenz, mit der man in Deutschland nun nichts anzufangen weiß.
Höheres Angebot war begründet
Das bedeutet: Der Müll kommt nicht mehr in das deutsche Werk, sondern wird per Bahn hunderte Kilometer weiter nach Niederösterreich gefahren – zu einem Entsorgungsunternehmen, das auch flüssigen Müll verarbeiten kann. Besondere Pointe an der Sache: Auch Loacker hatte damals ein Angebot für die Entsorgung des Vorarlberger Biomülls gelegt. Dieses fiel aber höher aus als jenes aus Deutschland. Der den Auftrag vergebende Vorarlberger Gemeindeverband sah sich damals aber gezwungen, dem günstigeren Anbieter den Zuschlag zu geben. Dabei soll das Loacker-Angebot auch deswegen teurer gewesen sein, weil das Unternehmen eben um die spezielle Konsistenz des Mülls wusste – und damit auch um den Mehraufwand, den das bedeutet.
Ursachensuche
Die derzeitige Situation wird jedenfalls auch keine Dauerlösung werden. Das Werk in Amtzell sucht schon nach einem Ausweg. Der Vorarlberger Biomüll würde nicht der „genormten Qualität“ entsprechen, sagt AWB-Pressesprecher Tobias Zwisler. In der Ausschreibung sei von flüssigen und festen Bestandteilen die Rede gewesen. Man suche derzeit nach der „Ursache“, die für ihn auch im technischen Bereich liegen könne, ein Problem bei der Verladung etwa. Auch beim Gemeindeverband macht man sich aktuell Gedanken darüber, wie der Müll weniger flüssig werden könnte, etwa durch die Beimischung von anderen Stoffen.
Das jedoch sei dann Behandlung von Müll, keine Sammlung mehr – und dafür gelten wieder andere Rechtsvorschriften...
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