Während sich die Zahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren in Vorarlberg auf Vorjahresniveau bewegt, fallen die Passiva im ersten Halbjahr 2024 deutlich höher aus.
Nach Angaben des KSV1870 wurden im ersten Halbjahr 2024 in Vorarlberg 242 eröffnete Schuldenregulierungsverfahren gezählt. Das sind um 1,7 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Während die Zahl der Privatkonkurse nahezu gleich geblieben ist, haben sich die Passiva um 23,5 Prozent erhöht. Dadurch ist auch die durchschnittliche Verschuldung pro Schuldner gestiegen – und zwar von 70.000 auf 87.000 Euro.
Die Vorarlberger Haushalte sehen sich seit geraumer Zeit mit hohen finanziellen Belastungen konfrontiert. Die nach wie vor hohe Inflation sowie das generell hohe Preisniveau sind der Grund dafür, dass viele Menschen in eine zunehmend prekäre Lage kommen. Dennoch ist die Zahl der Privatkonkurse nicht gestiegen. „Aus der Vergangenheit wissen wir aber, dass sich Privatkonkurse immer mit einer gewissen Verzögerung im Vergleich zu den Fimrenpleiten einstellen“, warnt Regina Nesensohn, Leiterin des KSV1870 Standortes in Feldkirch.
Finanzieller Kollaps
Anfangs würden die Menschen von ihren Ersparnissen leben und den Konsum auf ein Minimum reduzieren. „Erst wenn die finanziellen Reserven aufgebraucht sind, reichen auch persönliche Einschränkungen mitunter nicht mehr aus und es kommt zum finanziellen Kollaps“, erklärt die Finanzexpertin. In so einer Phase sollten sich die Betroffenen frühzeitig professionelle Hilfe suchen – und wenn erforderlich, eine private Entschuldung anstreben, um danach neu durchzustarten. „In einer finanziell angespannten Situation geht es vor allem darum, den Zeitpunkt nicht zu verpassen, ab dem man sein eigenes Schicksal nicht mehr selbst in der Hand hat.“
„In einer finanziell angespannten Situation geht es vor allem darum, den Zeitpunkt nicht zu verpassen, ab dem man sein eigenes Schicksal nicht mehr selbst in der Hand hat.
Regina Nesensohn
Bis Jahresende wird Zahl der Privatpleiten steigen
Laut der Leiterin des KSV1870-Standortes in Feldkirch ist die finanzielle Situation vieler Vorarlberger Haushalte zum Halbjahr alles andere als rosig. Gerade bei den Einkommensschwachen spitze sich die Lage Tag für Tag weiter zu. Nesensohn geht davon aus, dass es bis zum Jahresende bis zu 500 Privatkonkurse geben wird. Damit wäre das Niveau von Vorkrisenzeiten (2019: 502 Fälle) erreicht.
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