Geheimtipp

Knopfkönigin aus einer anderen Zeit

Wien
06.05.2024 11:00

Auf der Thaliastraße 24 in Ottakring findet man noch Qualitätsware von früher. Die „Krone“ hat dem besonderen Geschäft einen Besuch abgestattet.

Etwas versteckt, zwischen orientalischen Juwelieren, Imbisslokalen, Handyshops und Billigläden, befindet sich ein kleines Knopfgeschäft, in dem die Zeit still zu stehen scheint. Tausende Knöpfe sind hier nach System geordnet. Helga Opfermann nimmt über zwei Stunden Fahrzeit aus dem Südburgenland in Kauf, um ihrem Sohn in Ottakring auszuhelfen. Seit mehr als 100 Jahren werden an dieser Adresse Knöpfe verkauft. Die 70-Jährige hat sämtliche Modestrends sowie auch die Verwandlung der Thaliastraße miterlebt.

Auf der Thaliastraße versteckt sich ein Knopfparadies.
Auf der Thaliastraße versteckt sich ein Knopfparadies.(Bild: Martin Jöchl)

Früher war die Nachfrage weit größer. Da kamen Schneiderinnen und Kundinnen von Fürnkranz (Anmerkung: ehemalige Wiener Mode-Kette). „Die Frauen wussten, mit einem teuren Knopf etwa in Gold  sieht jedes Kleidungsstück sofort teurer aus“, erinnert sich die Burgenländerin. Heute gilt der Laden mit den eingeschränkten Öffnungszeiten als Geheimtipp. Immer mehr junge Damen trauen sich hier wieder über die Schwelle.

(Bild: Martin A. Jöchl)

Während unseres Gesprächs betritt eine junge Frau das Geschäft und gustiert Bordüren. Sie trifft die Vorbereitungen für ihre Hochzeit in Ägypten. Das Kissen für die Ringe soll eine Bordüre aus dem Laden in der Thaliastraße zieren. „Man merkt, es gibt ein Umdenken. Meine Ware kommt aus Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien oder der Schweiz. Bei mir gibt es nichts aus China“, ist Frau Helga stolz auf die Qualität, die sie anbieten kann.

Oft fragen sie Frauen um Rat, wenn sich ein Knopf an der Kleidung verfärbt. „Ich erkläre ihnen dann, dabei handelt es sich um ein Billigprodukt, das in der Sonne ausbleicht“, weiß sie. Da ist es kein Wunder, dass auf vielen Bändern Swarovski-Steine funkeln. Eine Kundin verlangt Zwirnknöpfe. Und schon hat die rüstige Seniorin die entsprechende Schachtel parat. „Zwirnknöpfe verkaufe höchstens einmal im Jahr“, sagt Frau Ostermann. Sie wünscht sich, dass sie noch weitere Jahre ihrem Sohn aushelfen kann. „Das ist mein Leben hier in der Stadt!“

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