Operiert im Mutterleib

Baby Erik verdankt Grazer Ärzten sein Leben

Steiermark
24.04.2024 15:00

Dass die strahlenden Eltern Baby Erik im Arm halten dürfen, verdanken sie einer im Grazer LKH geschafften Sensation! Der Säugling wurde noch im Mutterleib operiert – da wog er gerade einmal 300 Gramm. . . Und danach bestens versorgt, jetzt durfte er endlich heim aus dem Spital.

Erik ist ein wunderhübsches Baby, friedlich schlummert er in den Armen der glückseligen Eltern, manchmal scheint er im Schlaf zu lächeln. Doch dass der jetzt zwölf Wochen alte Säugling auf der Welt ist, gesund, mit besten Chancen, ein normales Leben führen zu können, ist eine Sensation. Und das verdankt er Kinderexperten an der Grazer Uniklinik. Ihrer ärztlichen Kunst, ihrer Empathie und ihren unermüdlichen Anstrengungen, den Buben leben zu sehen.

Sebastian Tschauner (Leiter Kinderradiologie), Birgit Hochreiner (Leitung Kinderchirurgische Intensivstation), Philipp Klaritsch (Leitung Fetalmedizin), Ernst Eber (Vorstand der Uniklinik für Kinder- und Jugendheilkunde), Holger Till (Vorstand der Kinder- und Jugendchirurgie), v. li. (Bild: Christian Jauschowetz)
Sebastian Tschauner (Leiter Kinderradiologie), Birgit Hochreiner (Leitung Kinderchirurgische Intensivstation), Philipp Klaritsch (Leitung Fetalmedizin), Ernst Eber (Vorstand der Uniklinik für Kinder- und Jugendheilkunde), Holger Till (Vorstand der Kinder- und Jugendchirurgie), v. li.

Die Chancen dafür: minimal. Schon das erste Ultraschallbild zeigte eine Fehlbildung der Lunge, mit enormen Zysten. „Das gibt es leider manchmal“, so Holger Till, Vorstand der Kinder- und Jugendchirurgie. Mit meist fatalen Folgen: Die Zysten wachsen, drücken das Herz zusammen – „das führt unbehandelt zum Tod im Mutterleib“.

(Bild: Christian Jauschowetz)

Dem verzweifelten slowenischen Paar konnte in seiner Heimat nicht geholfen werden, es wandte sich nach Graz um Hilfe, „und uns wurde sofort geantwortet!“ Und reagiert. Koryphäe Philipp Klaritsch legte einen 2,5 Zentimeter großen Shunt durch die Brustwand in eine der Riesenzysten. Bei einem Ungeborenen, das gerade einmal 300 Gramm wog! „Damit konnte Flüssigkeit abfließen, der Druck aufs Herz verringert werden.“ Und gleich nach der Geburt wurde von Till ein Teil der Lunge entfernt. Damit waren auch die Zysten weg. Till: „Und die Lunge wächst bis zum vierten Lebensjahr nach. Wir müssen ihr nur Zeit geben.“

(Bild: Christian Jauschowetz)

 Erik musste gleich nach seiner Geburt am 29. Jänner  55 Tage auf die Intensivstation. Auch eine herausfordernde Zeit: „Es war oft genug ein Schritt vor, zwei zurück“, schildert Birgit Hochreiner von der Leitung. Aber er lebt! Der Eingriff, der so noch nie in Graz durchgeführt wurde, findet international Beachtung.

  • Was ist eine CPAM? Die CPAM (Congenital Pulmonary Airway Malformation) ist eine seltene angeborene Fehlbildung der Lunge, die rund 1 von 3000 Schwangerschaften betrifft. Im betroffenen Lungenlappen kommt es dabei zu Zystenbildungen anstelle der Ausreifung normalen Atemgewebes. Die Ursache für die Erkrankung ist unbekannt, meist wird sie im pränatalen Ultraschall entdeckt. Am LKH-Univ. Klinikum Graz werden pro Jahr drei bis fünf Kinder mit CPAM behandelt. Derart große zystische Veränderungen wie bei Erik sind aber extrem selten. Die Entfernung der betroffenen Lungenlappen ist die einzige Möglichkeit, die CPAM nachhaltig zu behandeln. In der Regel wird rund um den ersten Geburtstag operiert.
  • Was ist ein Shunt? Ein Shunt ist eine Kurzschlussverbindung mit Flüssigkeitsübertritt zwischen normalerweise getrennten Gefäßen oder Hohlräumen. Ein solcher kann im Rahmen einer medizinischen Maßnahme künstlich gelegt werden. Bei CPAM kann die Überlebensrate durch eine Shunteinlage auf 60-80 Prozent erhöht werden.

Die Eltern, die noch eine zweijährige Tochter haben, können es gar nicht fassen, halten mit größtem Strahlen ihren winzigen Erik im Arm: „Als wir seinen ersten Schrei gehört haben, waren wir einfach nur dankbar, demütig und überwältigt.  Wir wissen gar nicht, wie wir allen hier in Graz danke sagen sollen!“

(Bild: Christian Jauschowetz)

Was für eine schöne Nachricht, oft genug geht es bei der Uniklinik Graz ja bekanntlich nur  noch um Gesundheitskrise, lange Wartelisten, Personalmangel.  Holger Till sagt: „Wir mögen unsere Probleme an der Klinik haben. Aber so etwas zeigt: Wir funktionieren!“

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