Gesichtsverlust. „Jeder gegen jeden“ hieß es an dieser Stelle gestern. Gemünzt war es auf die Nationalratssitzung in dieser Woche, bei der einander Vertreter aller Parteien befetzten. Und das, obwohl nach den Nationalratswahlen im Herbst mindestens zwei, vermutlich sogar drei Parteien zueinander finden werden müssen, um eine Regierung zu bilden. Dazu meldet sich unter anderem „Krone“-Leser Dr. Wolfgang Geppert aus Wien. Er schreibt: „Egal wie die kommende Regierung auch aussieht, die daran beteiligten Parteien müssen mit komplettem Gesichtsverlust rechnen.“ Und der Leserbriefschreiber kommt zum vernichtenden Schluss, „manche werden daraufhin in die Bedeutungslosigkeit versinken“. Besteht aber vielleicht doch noch ein Rest Hoffnung auf Besserung der politischen Kultur?
Keine Hoffnung. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ – diese Plattitüde gilt (auch) hier wohl nicht. Allein, wenn man sich anschaut und anhört, was die Parteien gestern einander wieder lieferten. Als besondere Brandbeschleuniger wirken die beiden Parlaments-Untersuchungsausschüsse. Da fliegen sogar zwischen den Sitzungen die Fetzen. Aktuell im Vordergrund: Die Kampflinie zwischen ÖVP und FPÖ. An einer anderen Front – und man kommt hier wirklich kaum um Kriegsrhetorik herum – geht es wiederum heiß her zwischen den Noch-Regierungspartnern ÖVP und Grüne. Die geraten immer öfter und heftiger aneinander, besonders gerne reiben sich ÖVP-Finanzminister Magnus Brunner und Infrastrukturministerin Leonore Gewessler. Aktuell geht es vordergründig um den Bodenschutz, wo sich die beiden in ihren Positionen immer weiter voneinander entfernen. Hintergründig aber ist das Verhältnis der beiden Politiker belastet, seitdem Brunner einst als Staatssekretär in Gewesslers Ministerium von der Ressortchefin mehr oder weniger kaltgestellt worden war. Hoffnung auf Besserung? Nicht vor der Wahl, das steht fest.
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