Seit dem 27. Juni 2006, als er im WM-Achtelfinale von Frankreichs Zinedine Zidane nach 92 Minuten zum Endstand von 1:3 bezwungen worden war, hat Spaniens Iker Casillas in K.-o.-Spielen kein Tor mehr kassiert: weder bei der EURO 2008 (Italien 0:0, Russland 3:0, Deutschland 1:0) noch der WM 2010 (Portugal 1:0, Paraguay 1:0, Deutschland 1:0, Holland 1:0) noch der EURO 2012 (Frankreich 2:0, Portugal 0:0).
Und am Sonntag kann der "König der K.-o.-Runden" einen weiteren Rekord aufstellen, als erster Profi weltweit seinen 100. Sieg mit der Nationalmannschaft feiern.
Bescheidener Casillas
Frankreichs Teamchef Laurent Blanc bezeichnete den 32-Jährigen während der EURO als "den besten Torwart der Welt seit rund zehn Jahren". Wegen seiner unzähligen Heldentaten verehren ihn die Fans als "San Iker", der "heilige Iker" sieht sich ganz anders. "Ich bin kein Galáctico, ich bin aus Móstoles", wies er einmal auf seine bescheidene Herkunft aus dem Madrider Arbeiterviertel hin.
Casillas hat mit 136 Einsätzen die meisten aller spanischen EURO-Kaderspieler zu Buche stehen, auf der Gegenseite gilt dies für Gianluigi "Gigi" Buffon, der bereits 119-mal im Tor der "Squadra Azzurra" stand. Kein Zufall, dass die beiden auch die Kapitäne ihrer Teams sind – und noch etwas gemeinsam haben: Sie sind die einzigen beiden, die viermal zum Welttorhüter des Jahres gekürt wurden.
Nationalheld Buffon
So wie Casillas wird auch Buffon in Italien verehrt: Nicht nur wegen des WM-Titels 2006, sondern noch mehr wegen seiner Treue zu Juventus Turin. 2006, als die "Alte Dame" wegen des Bestechungsskandals absteigen musste, blieb er so wie Alessandro del Piero beim Klub, stieg mit diesem sofort wieder auf. Und holte heuer mit Juve seinen fünften Meistertitel (offiziell sind es nur drei, da zwei wegen des Skandals aberkannt wurden).
Konsel über Buffon: "Ein berührbarer Superstar"
Wie von Casillas sind auch von Buffon keine privaten Entgleisungen bekannt. "Zwar ist seine Person heuer auch in den Sog des Wettskandals gezogen worden", schreibt Michael Konsel in seiner "Krone"-Kolumne, "aber Gianluigi ist kein Mensch mit Skandalen und Exzessen. Er ist in einer Sportfamilie groß geworden und zieht sich gerne ans Meer zurück. Buffon hat trotz seiner Popularität nie die Bodenständigkeit verloren. Er ist sozusagen ein berührbarer Superstar – trotz Trubels und Bewachung. Ich kann mich gut erinnern, als ich ihn im Rahmen der EURO 2008 in Österreich im Mannschaftshotel Italiens in Baden traf. Als er mich sah, hat er mir sofort den Weg frei gemacht. Es war ein herzlicher Empfang."
Egal, ob Casillas oder Buffon (beide hatten bei dieser EURO auch schon Sternstunden bei Elfmeterschießen) Sonntagnacht den Pokal in die Höhe stemmen darf – es ist ein würdiger Europameister!
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