Gemütliche Strandkörbe statt dicht gedrängter Liegestuhlreihen - das bietet die Ostsee, in Deutschland und in Polen, als perfekte Alternative zum immer heißer werdenden Mittelmeer-Urlaub.
Endloser Sandstrand, Meeresrauschen, salzige Luft - so sieht der Traumurlaub für viele aus. Der rasante Klimawandel mit Hitzewellen und Waldbränden sowie das Gedränge im Massentourismus machen den sonnigen Süden im Sommer aber immer weniger erholsam - da lohnt sich ein Blick nach Norden, vor allem an die Ostsee.
Als Binnenmeer, im Schnitt nur 52 Meter tief, verhält sie sich anders als die rauere Nordsee, reagiert stark auf Lufttemperaturen und hat die (relativ) höchsten Temperaturen an der Wasseroberfläche.
Zugegeben, der Name „Badewanne der Berliner“ für die Insel Usedom mit ihren traditionsreichen „Kaiserbädern“ Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck bezieht sich nicht auf wirklich laues Wasser, dafür erfrischt das Schwimmen in der Ostsee verlässlich. Große, gemütliche Strandkörbe bieten Schutz vor der berühmten steifen Brise, die langen Strandpromenaden von einem traditionsreichen Ort in den nächsten erlauben Blicke auf prachtvoll restaurierte Villen; die fünf hölzernen Seebrücken - die längste unter ihnen misst stolze 508 Meter - sind willkommene Gelegenheit für kulinarische Pausen oder auch nur zum Rasten.
PAUSCHALANGEBOTE:
Das Reisebüro RUEFA bietet ab März Charterflüge an die Ostsee mit der deutschen Avanti Air, kombiniert mit Aufenthalten in erstklassigen Strandhotels, z. B.:
ALLGEMEINE AUSKÜNFTE:
www.germany.travel, www.polen.travel/de-at/
Wer möchte, kann allein im deutschen Teil Usedoms 42 km durchgehenden Sandstrand erwandern oder per Rad erfahren. Für Sportliche gibt’s den größten Beachvolleyballplatz der Welt, Fitnessgeräte zuhauf, Kinderspielplätze - die, die’s gemütlicher angehen wollen, finden Gelegenheit zum Flanieren, Boutiquen, Cafés & Eissalons.
Noch immer gibt es Fischer, die schon vor Sonnenaufgang mit hölzernen Kuttern aufs Meer hinausfahren, ihren morgendlichen Heringsfang verarbeiten und ihn ab Mittag frisch geräuchert, eingelegt oder gebraten, in kleinen Hütten am Strand anbieten: Kleine deftige Genüsse, dazu Wellen im Blick und Meeresrauschen im Ohr - das ist Urlaubsglück pur, auch fernab von Palmen.
Ähnlich geht es nach der deutsch-polnischen Grenze, die das ehemalige Westpommern seit 1945 teilt, weiter.
Swinemünde (jetzt Swinoujscie) mit seinem 200 Meter breiten Strand, einst erstes Seebad Usedoms, ist per Boot oder Bimmelbahn für einen Ausflug zu erreichen - mit mittlerweile 40.000 Einwohnern ein quirliger Kontrast zu den behäbigen deutschen Badeorten.
Das nahe Misdroy liegt schon auf Wollin, der größten polnischen Insel, und zeichnet sich durch ein besonders abwechslungsreiches Freizeitangebot aus. Seine bis zu 100 Meter hohen Steilklippen halten die Ostwinde schützend ab, das Wasser ist dort wärmer als andernorts, die Strandpromenade führt zwei Kilometer zu einem grünen Naturpark mit herrlichen Waldspaziergängen. Belebter als in Deutschland ist auch die fast 300 Meter lange Seebrücke, mit zahlreichen Bars und Konditoreien (polnische Cremeschnitten und Torten lassen Wiener Konditoreien fast kalorienarm erscheinen).
Empfehlenswert auf Wollin ist ein Ausflug ins Wikingerdorf - 27 nach Funden rekonstruierte Hütten, ein zwölf Meter langer Original-Schiffsnachbau, mit dem schon eine Segeltour bis nach Schweden unternommen wurde. Wie vor 1000 Jahren, als dieser längst verlassene Ort ein Handelsknotenpunkt mit 11.000 Einwohnern war.
Entlang der Strände folgen noch viele kleine Dörfer und Hotelanlagen - bis zur Stadt Kolberg (heute Kolobrzeg) 90 Kilometer östlich der deutschen Grenze. Hafen, Altstadt und Leuchtturm zeugen von einer langen, ruhmreichen Vergangenheit der im 14. Jahrhundert gegründeten befestigten Stadt. Heute ist sie der bekannteste Kurort der polnischen Ostsee, mit Naturheilanstalten, Sanatorien, Moorbädern, Solequellen und weitläufigen Dünenwäldern.
Ihre sechs Kilometer lange Strandpromenade ist einer der wenigen Orte, an denen man heute noch angespülten Bernstein finden kann. Wenn man es schafft, den Blick von Meer und Himmel abzuwenden - und das ist an der Ostsee nicht leicht.
Brigitte Egger
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