„Stillstand und Wadlbeißerei“ in der Innsbrucker Politik müssten ein Ende haben, fordert die Liste Fritz und will in der Tiroler Landeshauptstadt das Bürgermeisteramt erobern. Die ÖVP kontert scharf und warnt.
Neo-Innsbruckerin Andrea Haselwanter-Schneider ließ am Donnerstag die Katze aus dem Sack: Die Liste Fritz wird mit ihr an der Spitze in den Gemeinderatswahlkampf ziehen, sie selbst kandidiert auch für das Bürgermeisteramt. Sollte das gelingen, würde sie ihr Landtagsmandat zurücklegen, ansonsten bliebe sie in der Doppelfunktion Gemeinderätin – Landtagsabgeordnete. Und zusätzlich Parteichefin.
Keine Stadträte mehr ohne Amtsführung
Innsbruck war bei der Landtagswahl 2022 ein lohnendes Pflaster: 12,5 Prozent erreichte die Liste Fritz. Das Wahlziel sind demzufolge drei Mandate, was den Einzug in den Stadtsenat bedeuten würde. Regierung oder Opposition, darauf wollte sich die „Kontrollpartei“ am Donnerstag nicht festlegen. Auf der Suche nach Mehrheiten sollen alle eingebunden werden.
Nicht-amtsführende Stadträte wie derzeit von der FPÖ sollten abgeschafft werden. „Ich halte nichts von Ausgrenzung. Jemand darf nicht, weil die Ideologie nicht passt: Das versteht ja niemand“, sagte sie. Was im Umkehrschluss bedeutet: Die FPÖ wäre im Gegensatz zur Position der Grünen mit BM Georg Willi mit Ämtern betraut worden.
Mit Blick auf die Landeshauptstadt habe ich in den vergangenen Monaten immer mehr das Gefühl bekommen, dass sich etwas ändern muss, dass das besser funktionieren muss. Schließlich verfügt Innsbruck über ein Budget von gut 500 Millionen Euro.
Andrea Haselwanter-Schneider, Liste Fritz
Ummeldung kurz vor Jahresende ´23
Die Kandidatur in Innsbruck soll Ideen, Initiativen und Fortschritt wieder in den Mittelpunkt rücken. „Unsere Landeshauptstadt hat in den vergangenen sechs Jahren genug Streit, Stillstand und politische Grabenkämpfe erlebt“, sagte die Spitzenkandidatin, die zwar ihren beruflichen Mittelpunkt in Innsbruck hat, aber erst Ende Dezember offiziell von ihrem Eigenheim in Oberperfuss in eine Mietwohnung in Innsbruck übersiedelt ist. „Wir haben unser familiäres Leben zunehmend nach Innsbruck verlagert“, erklärte sie.
„Du bist bekannter als ich“
Klubchef Markus Sint sprach von einem Freudentag: „Der politische Frühlingsduft liegt in der Innsbrucker Luft! Die Liste Fritz bietet eine echte Alternative zu den Altparteien und deren Streit, Stillstand und Wadlbeißerei“, sagte Sint. Der bisherige Fritz-GR Thomas Mayer bleibt der Liste auf dem zweiten Platz erhalten. „Ich sehe alles andere als enttäuscht aus. Andrea ist viel bekannter als ich. Jetzt geht’s um was in Innsbruck“, sagte er und erklärte, die Menschen hätten „die Schnauze voll von Experimenten à la Willi“.
Das Wichtigste ist, dass in den kommenden sechs Jahren etwas weitergeht in Innsbruck. Stillstand, Leerlauf und Blockadepolitik hatten wir jetzt genug.
GR Thomas Mayer, Liste Fritz
ÖVP: „Scheinheilige Töne“
Die Menschen haben genug von Wadlbeißerei: Diesen Befund zerpflückte Jakob Wolf, Klubchef der ÖVP im Tiroler Landtag, sogleich genüsslich: „Haselwanter-Schneider hat die polemische Wadlbeißerei im Landtag geradezu perfektioniert!“, kritisierte Wolf die Fritz-Abgeordnete scharf und bezeichnet ihre neuen Töne im Innsbrucker Gemeinderatswahlkampf als „scheinheilig“. Wolf warnte davor, dass mit ihr „nicht nur Stillstand, sondern eine Steigerung der Destruktivität zum Quadrat für die Stadt Innsbruck“ drohe.
Die Glaubwürdigkeit der Liste Fritz beim Thema Freizeitwohnsitze ist damit jedenfalls massiv beschädigt.
Sebastian Kolland, Landes-GF ÖVP
Freizeitwohnsitz-Bürgermeisterin?
VP-Landesgeschäftsführer Sebastian Kolland schoss sich auf die Wohnsitz-Verlegung ein und will diese noch einmal geprüft sehen: „Gerade die Liste Fritz, die sich in puncto Freizeitwohnsitze ständig als moralische Instanz aufspielt, hat durch diese rein wahltaktisch begründete Wohnsitzverlegung massiven Erklärungsbedarf. Entweder Haselwanter-Schneider ist jetzt Freizeitwohnsitz-Bürgerin in Oberperfuss oder sie will Freizeitwohnsitz-Bürgermeisterin in Innsbruck werden.“ Die Optik sei jedenfalls „mehr als schief“.
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