Christof Moser

„Ich bin von Musik noch nie enttäuscht worden“

Vorarlberg
06.01.2024 13:25

Pianist und Musikpädagoge Christof Moser feiert am Sonntag seinen 60. Geburtstag. Mit der „Krone“ hat er über seinen musikalischen Werdegang und seine Berufung gesprochen.

Sechzig ist für Christof Moser nur eine Zahl. „Ich weiß gar nicht, ob die wirklich stimmt“, scherzt er beim Interview während eines kurzen Heimatbesuchs. Etwas Gutes kann er seinem Alter dennoch abgewinnen: Dass er die Musik der 70er-Jahre live miterlebt hat. Aus dieser Ära stammt nämlich sein Lieblingslied.

Krone: Welches ist es?
Christof Moser: „Supper’s Ready“ von der Band Genesis. Peter Gabriel und Phil Collins waren meine Helden. In den 70er-Jahren waren die Lieder mitunter noch sehr lang. So konnte sich die Musik ausbreiten und in die Tiefe gehen - eine moderne Symphonie. Bei diesen Songs findet man immer wieder etwas Neues. Sie werden nie langweilig.

Wann entstand deine große Begeisterung für Musik?
Ich war in meinem Elternhaus viel von Musik umgeben und alle meine Geschwister durften Klavier lernen, auch ich. Ich bin dabei geblieben, obwohl ich bei meinem ersten Klavierunterricht sehr unglücklich mit der Lehrerin war. Es war eine Art Hassliebe. Zuhause habe ich mir durch die Musik Freiräume geschaffen. Das Klavierspiel war für mich Flucht aus der Realität, alle anderen haben gespürt, dass man mich in meiner „Muschel“ nicht anreden darf. Das habe ich natürlich auch ein bisschen ausgenutzt.

Brauchst Du diesen „Rückzug“ auch heute noch?
Wenn du komponierst, hörst du die Melodie in deinem Inneren. Du suchst im Außen nach der Umsetzung. Wenn man ganz tief in sich hineinhört, braucht es Zeit und Stille. Alles entsteht in der Stille und kehrt wieder zu ihr zurück. Das hat etwas Meditatives für mich.

Wie schaffst Du es als Pädagoge, deine Leidenschaft weiterzugeben?
Es ist zum großen Teil meine eigene Begeisterung für die Musik. Mich hat das Weitergeben meines Könnens bereits als Teenager gereizt. Denn als meine Freunde wissen wollten, wie man Klavier spielt, habe ich entdeckt, dass jeder einen anderen Zugang dazu hat. Der eine schaut dir auf die Finger, der andere lernt über das Hören. Diese Empathie, die es braucht, um gut zu unterrichten, begleitet mich bis heute.

Du hast das Kammermusik-Duo „pianodrum“ iniziiert. Warum gerade Klavier und Schlagzeug?
Wenn ich nur Klassik studiert hätte, wie es meine Mama gewollt hat, wäre ich wohl unglücklich geworden. Sie gibt nur wenig Spielraum für Interpretation. Diesen hat man dafür bei Jazz, Rock und Pop. Das „rockige“ Schlagzeug hat mich so fasziniert, dass ich es auch studiert habe. Das Klavier mit seiner großen Bandbreite und die Energie des Schlagzeugs ergeben für mich eine grandiose Kombination. Wir haben mit „pianodrum“ bereits über 100 Konzerte auf der ganzen Welt gespielt. So erlebe ich Klassik - im Wandel der Zeit, nicht museal und verstaubt.

Was braucht es heutzutage, um als Musiker Erfolg zu haben?
Es ist ganz wichtig, dass es Musiker gibt, die Regeln brechen. Künstler müssen weiter gehen, sie haben den Drang nach Neuem. Leider ist das Progressive heute verloren gegangen und dem Kommerz gewichen. Um zu verkaufen, musst du dich der Norm anpassen. Musik wird in eine Form gequetscht, dabei sollte sie Freude machen und kreative Aspekte haben.

Auch deinen Geburtstag feierst du mit Musik.
Ich bin von Musik noch nie enttäuscht worden. Man kann nie so unglücklich sein, dass es nicht ein Lied gibt, das einen aufheitert. Es ist schön, dass Musik eine solche Kraft hat.

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