Der Kampf um das Angedenken an die vergessene Volksheldin Margarethe Manhardt ist ausgestanden. Früher als gedacht hat die Stadt ihr Grab nun wieder errichtet und hat damit ihr vor 97 Jahren gegebenes Versprechen eingelöst.
Ein halbjähriges Ringen um das Angedenken an Margarethe Manhardt hat sein versöhnliches Ende gefunden: Schon ein Monat, nachdem ihr desolater Grabstein auf dem Zentralfriedhof aus Sicherheitsgründen umgelegt wurde, ist er restauriert zurück an seinem Platz - und sieht wieder aus wie am 10. November 1926, als die „Heldin aus dem Volke“ hier unter der Anteilnahme von Zehntausenden Trauernden ihre letzte Ruhestätte fand.
Aus kleinsten Spenden finanziert
Das Kindermädchen, das seine zwei Schützlinge vor dem Unfalltod rettete und dabei selbst ums Leben kam, war damals zur Symbolfigur für das unbedankte Wirken der „kleinen Leute“ geworden, das Grab aus Carrara-Marmor wurde allein aus Kleinspenden von Dienstboten, Arbeitern und anderen Menschen finanziert, die Manhardt als eine der ihren sahen. Die Spendenbereitschaft sprengte damals alle Erwartungen: Es kam so viel Geld zusammen, dass aus den Mitteln auch das Manhardt-Denkmal errichtet wurde, das, von der Stadt rekonstruiert, heute am Max-Winter-Platz steht.
Erinnerung mit Absicht getilgt
Das Rathaus versprach in Gestalt von Bürgermeister Karl Seitz an Manhardts offenem Grab damals , sich auf ewig um dessen Pflege zu kümmern, doch die Erinnerung an den Schwur und alle Spuren dazu wurden unter NS-Herrschaft mit Absicht getilgt: Gertrude und Georg Littner, die Manhardt vor einer herannahenden Bierkutsche rettete, waren jüdische Kinder. Der Familie gelang Jahre später im letzten Moment die Flucht aus Österreich in die USA.
Im vergangenen Juni wäre das Grab fast aufgelassen und abgetragen worden, hätte nicht eine aufmerksame „Krone“-Leserin Alarm geschlagen. Die Stadt und Bürgermeister Michael Ludwig selbst, der die Respekt gebietende Vorbildwirkung von Manhardts „selbstlosem Handeln“ unterstrich, reagierten prompt: Nach einer kurzen behördlichen Prüfung wurde das Grab als historisch bedeutsam eingestuft. Das bedeutet, dass von nun an die Stadt für das Grab sorgen wird - ab Frühjahr auch mit Blumenschmuck, wie der „Krone“ versichert wird.
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