Bluttat in Lagerhalle

Angeklagte bricht bei Befragung vor Gericht zusammen

Wien
23.02.2012 15:37
Ein plötzliches Ende hat der zweite Tag im Prozess um den sogenannten Wiener Lagerhallen-Mord gefunden: Weil die 42-jährige Angeklagte, der vorgeworfen wird, bei ihrem Cousin (37) den Tod ihres Ehemanns Sasa S. "bestellt" zu haben, mit einem Weinkrampf zusammenbrach, musste die Verhandlung am Donnerstag abgebrochen werden. Am kommenden Montag geht es am Wiener Landesgericht mit Zeugenbefragungen weiter.

Vor ihrem Zusammenbruch hatte Staatsanwalt Juan Pablo Gomes Reyes die Frau mit ihren Angaben unmittelbar nach ihrer Festnahme konfrontiert: Damals hatte sie zugegeben, dass ihr Cousin auf ihren Wunsch hin in der Lagerhalle auf ihren Mann geschossen habe. Sie habe einen "Knall" gehört und "jetzt gewusst, dass er Sasa erschossen hat", hatten sie die Kriminalisten im Protokoll zitiert.

"Hab' das nur gesagt, weil ich das Ganze beenden wollte"
"Ich war im Schock", schluchzte die Angeklagte. Die Angaben seien unrichtig, sie habe nicht die Wahrheit gesagt. "Ein langer Schock. Ein Dauerschock", konstatierte Richter Georg Olschak, zumal das Protokoll drei Wochen nach der Bluttat aufgenommen worden war. "Ich war in Depressionen", heulte daraufhin die Angeklagte auf, "mir hat alles wehgetan. Ich hab' das nur deshalb gesagt, weil ich das Ganze beenden wollte. Ich wollte meine Medikamente."

Darauf betonte der Staatsanwalt, die Angeklagte habe ihr Geständnis in einer weiteren Einvernahme am 17. März bestätigt. Auf diesen Einwand hin brach die 42-Jährige in minutenlanges Weinen aus. Schließlich brach der Richter die Befragung ab, die Frau wurde von drei Justizwachebeamten abgeführt und 20 Minuten im angrenzenden Gefangenenhaus behandelt.

Zeuge: "Sie ist ihm auf die Nerven gegangen"
Nach einer Pause wurden etliche Zeugen vernommen. Ein langjähriger Bekannter des ums Leben Gekommenen berichtete, Sasa S. habe sich von seiner Frau trennen wollen: "Er hat sie nicht mehr ausgehalten. Sie wollte nichts arbeiten, ist ihm auf die Nerven gegangen." Die 42-Jährige saß da bereits wieder schluchzend auf der Anklagebank und war auch weiterhin kaum zu beruhigen.

Die Verhandlung wird am kommenden Montag fortgesetzt. Als Zeugen sind unter anderem die Eltern des Getöteten sowie jener Mann geladen, der dem Cousin die Pistole beschafft und diese anschließend entsorgt haben soll.

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