Die Vorarlberger Landeswarnzentrale hielt ihre Warnung vor großer Lawinengefahr der Stufe 4 auf der fünfteiligen Skala am Freitag aufrecht. Gefahrenstellen fänden sich vorwiegend in Kammlagen und Steilhängen sowie in eingewehten Rinnen und Mulden, besonders oberhalb der Waldgrenze, hieß es im Lagebericht. Lawinen könnten schon durch geringe Zusatzbelastungen ausgelöst werden, auch Fernauslösungen seien durchaus möglich. In stark eingewehten Hangzonen könne es zu Selbstauslösungen kommen. Die Lawinengefahr nehme nur langsam ab, damit bleibe die Situation für Wintersportler auch in den nächsten Tagen heikel, hieß es.
Nach mehreren Lawinenabgängen in der Nacht war Vorarlberg Donnerstag früh kurzzeitig vom Rest Österreichs abgeschnitten gewesen. Donnerstagmittag konnte die Arlberg-Schnellstraße aber wieder für den Verkehr freigegeben werden. Die Bahnstrecke blieb zwar weiterhin gesperrt, immerhin konnte durch die Räumung der Arlbergstraße aber ein Schienenersatzverkehr eingerichtet werden.
Laut Herbert Knünz vom Landeswarndienst fielen am Mittwoch im Norden Vorarlbergs bis zu 70 Zentimeter Neuschnee, im Süden waren es 60 Zentimeter. Mit dem Abgang von Lawinen müsse gerechnet werden, abseits der Pisten sei die Situation "sehr heikel", hieß es. Die Lawinenwarnstufe liege derzeit bei 4 auf der fünfteiligen Skala und werde nur langsam abnehmen.
Lawine erreichte am Tiroler Arlberg Hotelzufahrt
Auch in Tirol wurde die Lawinengefahr nach den Neuschneemengen von bis zu 60 Zentimetern am Donnerstag als "groß" eingestuft. Eine Lawinenauslösung sei schon durch geringe Zusatzbelastung möglich. "Die Verhältnisse in den Tiroler Tourengebieten sind kritisch", so die Tiroler Lawinenkommission. Daher waren mehrere Verkehrswege in Tirol von der Wettersituation beeinträchtigt und teilweise gesperrt.
Eine Lawine verschüttete am Donnerstagvormittag sogar eine Hotelzufahrt. Die Straße wurde bis zu zwei Meter tief unter den Schneemassen begraben. "Alle Hotelgäste und Mitarbeiter sind im Haus", teilte die Leiterin des Alpenhotels St. Christoph, Elisabeth Wechselberger, mit. Die Zufahrt sei rund 100 Meter vom Gebäude entfernt. Von den Schneemassen dürfte niemand verschüttet worden sein: "Es wurde mehrmals sondiert", teilte ein Polizist mit. Rund 60 Mann der Bergrettung und der Freiwilligen Feuerwehren sowie Suchhunde waren im Einsatz.
Angespannte Situation in Oberösterreich
Auch Oberösterreich hatte der Schnee am Donnerstag fest im Griff. Die Feuerwehr berichtete von mehreren Einsätzen wegen hängen gebliebener Pkws. Es habe sich in der Früh allerdings nur um Blechschäden gehandelt, hieß es. Die Lawinengefahr ist weiterhin hoch: Es herrscht Warnstufe vier, Tendenz gleichbleibend.
Obersteirische Orte abgeschnitten
Neuschnee, Wind und Lawinen sorgten in der Obersteiermark am Donnerstag für massive Verkehrsbehinderungen. Mehrere Hauptstraßen waren gesperrt, einige Orte nicht erreichbar. Arg betroffen waren die ÖBB, die den Schienenverkehr im Ennstal und im Salzkammergut sowie den Postbus-Verkehr im Gesäuse vorübergehend einstellen mussten. Bei Mandling an der Grenze zu Salzburg blieb ein Nahverkehrszug stecken. In Graz gab es erstmals in diesem Winter richtig Schnee, was unter anderem Verspätungen im öffentlichen Verkehr zur Folge hatte.
Straßensperren wegen Lawinengefahr in Salzburg
Der starke Wind und die Schneeverfrachtungen sorgten in weiten Teilen Salzburgs für große Lawinengefahr. Aus Sicherheitsgründen wurden am Donnerstag noch einige Straßen gesperrt. In Maria Alm im Pinzgau traf eine Lawine die Rückseite eines Wohnhauses. "Eine etwa 100 Meter lange und 50 bis 70 Meter breite Grundlawine ist einen Hang heruntergerutscht und hat das Haus auf der Rückseite zwei bis drei Meter hoch zugeschüttet. Es sind aber keine Fenster geborsten und es ist niemand zu Schaden gekommen", schilderte Markus Reichholf von der Bergrettung. Auf der Tauernautobahn kam es im Bereich Werfen im Pongau wegen Eisglätte zu mehreren Unfällen.
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