IAEA-Begehung

Antipersonenminen bei AKW Saporischschja gefunden

Ausland
25.07.2023 06:53

Experten der Internationalen Atomenergiebehörde haben am Rande des Geländes des von russischen Truppen besetzten ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja Antipersonenminen entdeckt. Bei einer Begehung am Sonntag bemerkten die Spezialisten einige Minen in einer Pufferzone zwischen der inneren und der äußeren Absperrung der Anlage.

Zu diesem Bereich habe das Betriebspersonal keinen Zugang. Im inneren Bereich des Geländes seien keine Minen festgestellt worden, sagte IAEA-Direktor Rafael Grossi laut Mitteilung der Behörde vom Montagabend.

Angst vor Unglück bei AKW 
Russische Truppen hatten das AKW kurz nach Beginn des Angriffs auf die Ukraine vor 17 Monaten besetzt. Mehrfach geriet die Anlage unter Beschuss, was trotz ihres Herunterfahrens international die Sorge vor einer Atomkatastrophe steigerte. Seit Monaten verdächtigen Russland und die Ukraine einander, gezielt ein Unglück an der Nuklearanlage zu provozieren, entweder durch Beschuss oder durch Verminung. Anfang Juli spitzten sich die Vorwürfe zu. Es hieß, ein Anschlag stehe unmittelbar bevor. Inzwischen hat sich die Lage wieder etwas beruhigt.

Rafael Grossi bei einem Besuch in Saporischschja im vergangenen Herbst (Bild: APA/AFP/Genya SAVILOV)
Rafael Grossi bei einem Besuch in Saporischschja im vergangenen Herbst

Anlage früher schon vermint, keine Gefahr für AKW
Die IAEA, die eigene Beobachter auf dem Gelände des AKW hat, hatte auf dem Höhepunkt des Streits erklärt, keine Anzeichen für eine Verminung zu sehen. Gleichzeitig berichteten die internationalen Atomexperten aber auch, dass die Anlage früher schon vermint gewesen sei und sie nicht Zugang zu allen Bereichen des Kraftwerks hätten.

Grossi sagte, seiner Behörde sei bekannt gewesen, dass Minen außerhalb des Geländes und auch an bestimmten Stellen innerhalb des Geländes platziert worden seien. Man habe seinem Team gesagt, dass es sich um eine militärische Entscheidung handle, und zwar in einem vom Militär kontrollierten Gebiet. „Dass sich derartige Sprengstoffe auf dem Gelände befinden, steht im Widerspruch zu den IAEA-Sicherheitsstandards und den Leitlinien für die nukleare Sicherheit“, sagte Grossi. Aufgrund ihrer eigenen Beobachtungen sei seine Behörde aber zu dem Schluss gekommen, dass eine Detonation dieser Minen die Sicherheitssysteme der Anlage nicht beeinträchtigen dürfte.

Ein IAEA-Experte auf dem Gelände des Atomkraftwerks Saporischschja (Bild: APA/AFP/International Atomic Energy Agency/Handout)
Ein IAEA-Experte auf dem Gelände des Atomkraftwerks Saporischschja

Abkommen ohne Russland
Das Abkommen zum Verbot von Antipersonenminen wurde 1997 beschlossen, die Ukraine ist 1999 beigetreten und hat es 2005 ratifiziert. Russland ist dem Vertrag nicht beigetreten. Antipersonenminen explodieren, wenn sie berührt werden - etwa von Kindern, die sie aufheben wollen, oder von Bauern, die ihr Feld bestellen. Sie sind oft nur so groß wie ein Handteller und können vom Boden oder aus der Luft mit Raketen über größere Gebiete verteilt werden.

Kiew meldet nächtliche russische Luftangriffe
Während die IAEA in Saporischschja unterwegs war, gab es in der ukrainischen Hauptstadt Kiew Luftalarm. 
Russland habe „Kiew mit Kampfdrohnen angegriffen“, teilte Militärverwaltungschef Serhij Popko am Dienstag mit. Ihm zufolge handelte es sich um den sechsten Drohnenangriff auf Kiew in diesem Monat.

Der Luftalarm habe drei Stunden gedauert, alle Geschosse seien entdeckt und zerstört worden. Opfer oder Schäden gebe es nach derzeitigem Stand nicht.

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