Mit hängenden Köpfen gingen die Austrianer nach Schlusspfiff vom Feld. Nach ein paar Minuten überwog trotzdem die Freude mit dem Wissen, einem im Vorfeld stark eingeschätzten Gegner Paroli geboten zu haben. "In der ersten Emotion ist mir zum Weinen. Aber wir dürfen nicht größenwahnsinnig sein. Wenn wir das vorher gewusst hätten, hätten wir das unterschrieben", meinte Verteidiger Georg Margreitter. Und Nacer Barazite, der in seiner Heimat wieder zu großer Form auflief, fasste die violette Gemütslage treffend zusammen: "Es fühlt sich wie eine Niederlage an, wenn man lange Zeit 2:0 führt. Aber wenn man realistisch ist, ist es ein gutes Resultat."
Alkmaar kam mit blauem Auge davon
Die Sensation war eigentlich in Griffweite. Eine halbe Stunde war im AFAS-Stadion von Alkmaar gespielt, als sich der Großteil der 17.000 Zuschauer im falschen Film wähnten. Torschütze Alexander Gorgon hatte soeben nach dem 2:0 jubelnd abgedreht, bis auf die Gesänge der mitgereisten Wiener Fans war es mucksmäuschenstill in der schmucken Arena. AZ, in zuvor sieben Heimspielen der Saison bei sieben Siegen haltend, stand ausgerechnet gegen den Außenseiter vor einer Niederlage.
"Vielleicht haben sie uns unterschätzt und wir haben davon Nutzen gezogen", erklärte Barazite. Dass es am Ende doch nicht zum zweiten Sieg in Gruppe G reichte, war mit der klaren Leistungssteigerung von Alkmaar nach dem Seitenwechsel erklärbar. "Wir waren in der ersten Spielhälfte zu unkonzentriert", sah AZ-Trainer Gertjan Verbeek eher Versäumnisse seiner Mannschaft als starke Gäste. Verbeek gab aber auch zu: "Wir hatten 75 Minuten lang keine Antwort auf das Spiel von Austria."
Die niederländische Presse sah ebenfalls eine schwache erste Spielhälfte der Hausherren. AZ habe aber den Kopf noch einmal aus der Schlinge gezogen. "Erleichterung in Alkmaar", titelte "De Telegraaf". Das "Algemeen Dagblad" schrieb: "Eine verrückte Schlussoffensive hat AZ vor einer peinlichen Niederlage gerettet."
Billige Gegentore
Festgehalten wurde aber auch von der Presse, dass sich die Wiener vor allem dank ihren konsequenten Spielweise wacker schlugen. Alkmaar fand lange Zeit keine Mittel gegen die gut gestaffelte Hintermannschaft um Kapitän Manuel Ortlechner und Georg Margreitter. Die Austria-Fans wähnten ihre Mannschaft nach einer Stunde gar als "bestes Team der Welt" - im Europacup ein in den letzten Jahren selten gehörter Choral. Erst im Finish kassierte die Daxbacher-Elf durch ein Eigentor von Peter Hlinka (80.) und einen Kopfball des Schweden Pontus Wernbloom (83.) nach einem Eckball zwei eigentlich billige Gegentore.
Trainer Karl Daxbacher sprach von einem gerechten Remis, das seinen Schützlingen in der Gruppe noch alle Chancen lässt. Aktuell liegt die Austria auf Platz drei, einen Zähler hinter Alkmaar und drei hinter Metalist Charkiw. Die Ukrainer setzten sich Donnerstag trotz über einer Spielhälfte in nummerischer Unterlegenheit bei Schlusslicht Malmö 4:1 durch.
Auf die Austria wartet in den ausstehenden drei Spielen zunächst die Heimpartie gegen Alkmaar in zwei Wochen. "Ich denke, dass wir noch Chancen haben, auf uns warten jetzt noch zwei Heimspiele und eine Partie auswärts. Wir wollen zu Hause punkten und um den zweiten Platz mitreden", erklärte Daxbacher die Ausgangslage. Charkiw - in die Ukraine reist die Austria Ende November - scheint aktuell der Favorit auf den ersten Platz.
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