Mo, 23. Juli 2018

Ausgediente Sonde

25.10.2011 12:25

Satellit "ROSAT" über Golf von Bengalen verglüht

Der ausgediente deutsche Röntgensatellit "ROSAT" ist Sonntag früh über dem Golf von Bengalen in die Erdatmosphäre eingetaucht und abgestürzt. Das gab das Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln am Dienstag bekannt. Ob Teile des 2,5 Tonnen schweren Satelliten, von dem der Großteil verglüht sein dürfte, die Erdoberfläche erreicht haben, sei nicht bekannt, hieß es.

Laut DLR-Angaben erfolgte der Eintritt von "ROSAT" am Sonntag um 3.50 Uhr MESZ über dem Meer zwischen Indien und Thailand - im Bild rechts eine Aufnahme, die das Zielabbildungsradar der in Europa einzigartigen Großradaranlage TIRA des Fraunhofer-Instituts für Hochfrequenzphysik und Radartechnik in Wachtberg bei Bonn am 20. Oktober von dem Satelliten gemacht hat. Der Absturzort sei auf Basis von Daten internationaler Partneragenturen, vor allem aus den USA, berechnet worden, so das DLR weiter.

Experten hatten bereits vor dem Absturz erklärt, dass sie kein Unheil durch den etwa 2,5 Tonnen schweren Satelliten erwarteten, auch wenn nicht alle Teile bei dem rasanten Sturz durch die Atmosphäre verglühen. Die Wahrscheinlichkeit eines größeren Schadens wurde als äußerst gering eingeschätzt.

Zu Beginn seiner Mission im Jahr 1990 kreiste der Röntgensatellit auf einer elliptischen Umlaufbahn in 585 bis 565 Kilometern Entfernung zur Erdoberfläche. Seitdem verlor "ROSAT" durch die Reibung an der Erdatmosphäre an Höhe. Am Freitag betrug der Abstand zur Erde nur noch etwa 195 Kilometer.

Genaue Berechnung unmöglich
Wie schon im Falle des NASA-Satelliten "UARS" (Bericht in der Infobox) ließen sich auch bei "ROSAT" weder der genaue Zeitpunkt noch der Ort des Wiedereintritts in die Atmosphäre exakt vorhersagen. "Sonnenwinde und die Reste der Erdatmosphäre machen eine exakte Berechnung jedoch unmöglich", so DLR-Sprecher Andreas Schütz am Freitag. Ein Zeitfenster von zunächst drei Tagen wurde im Laufe des Wochenendes auf wenige Stunden eingegrenzt, Sonntag früh unserer Zeit war es dann so weit.

Mit 28.000 km/h unterwegs und nicht kontrollierbar
Ebenfalls keine exakten Vorhersagen waren laut Schütz zum Absturzort möglich. Gründe dafür waren vor allem das hohe Tempo von "ROSAT" - der Satellit war mit etwa 28.000 Stundenkilometern unterwegs, sodass eine Erdumkreisung nur 90 Minuten dauerte - und die Drehung der Erde um ihre eigene Achse.

Weil "ROSAT" kein Triebwerk an Bord hatte, mit dem man seine Umlaufbahn ändern oder ihn gezielt zum Absturz bringen konnte, war es unmöglich, den Wiedereintritt des Satelliten zu steuern. Da viele Komponenten, z.B. die Batterien für die Stromversorgung, aufgrund des Alters nicht mehr oder nur noch eingeschränkt funktionierten, bestand seit dem Missionsende im Jahr 1999 keine Verbindung mehr zum Kontrollzentrum des DLR in Oberpfaffenhofen.

Lieferte erste Röntgenbilder des Mondes
"ROSAT" sollte ursprünglich mit einem Spaceshuttle ins All und auch wieder zur Erde zurücktransportiert werden. Nach dem Absturz der der Raumfähre "Challenger" wurde diese Planung aber zugunsten einer konventionellen Rakete geändert. Der rund 2,5 Tonnen schwere Röntgensatellit wurde schließlich am 1. Juni 1990 an Bord einer Delta-II-Rakete in eine Umlaufbahn in rund 580 Kilometer Höhe gebracht und war bis 12. Februar 1999 in Betrieb, wobei er die ursprünglich geplante Missionsdauer deutlich überschritt.

Der Satellit mit zwei Teleskopen hat die in den 1960er-Jahren aufgekommene Röntgen-Astronomie schier revolutioniert. Das Gerät lieferte 1990 das erste Röntgenbild vom Mond, es schickte Aufnahmen der Andromeda-Galaxie und fing erstmals Röntgenstrahlen von Kometen ein. Darüber hinaus hat "ROSAT" mehr als 200 Überreste von Supernova-Explosionen entdeckt. Seine Daten waren die Grundlage für mehrere tausend wissenschaftliche Artikel.

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