Locke unter der Lupe

DNA aus dem Haar: So starb Beethoven

Wissenschaft
24.03.2023 06:03

Tod durch zu viel Alkohol! Zu diesem Ergebnis sind nun britische Forscher der Uni Cambridge, die eine Locke des Wahlwieners Beethoven untersucht hatten. DNA-Koryphäe Prof. Walther Parson aus Tirol erklärt, wie solche Forschungsergebnisse möglich sind.

Die Abkürzung für Desoxyribonukleinsäure ist DNA. Diese wiederum ist eine Art biologische Gebrauchsanleitung, die in jeder menschlichen Zelle zu finden ist.

Experten können auch Hunderte Jahre alte DNA-Proben unter die Lupe nehmen und dank der wissenschaftlichen Standards Erkenntnisse erzielen. Eine Koryphäe auf diesem Gebiet ist der Tiroler Professor Walther Parson (siehe Interview unten). Seine Expertise ist unter anderem auch vom FBI gefragt.

Durch die DNA-Analyse von Beethovens Haar sind britische Forscher sicher, dass sich das Musik-Genie zu Tode getrunken hat. (Bild: APA/AFP/Max Planck Institute for the Science of Human History/Anthi Tiliakou)
Durch die DNA-Analyse von Beethovens Haar sind britische Forscher sicher, dass sich das Musik-Genie zu Tode getrunken hat.

Ein Meilenstein ist nun laut dem englischen Magazin „Nature“ Tristan Begg, einem Forscher für antikes Genom an der Universität von Cambridge in England, mit seinem Team gelungen. Die Wissenschafter extrahierten genetisches Material aus konservierten Haarsträhnen, die angeblich von Beethoven stammten.

Der Wahlwiener Ludwig van Beethoven lebte von 1770 bis 1827. Die genetische Spurensuche weist nun eindeutig daraufhin, dass Lebererkrankungen samt einer Hepatitis-Erkrankung durch exzessiven Alkoholkonsum als Ursachen für den Tod des Musik-Genies festgelegt werden können. Laut Begg zeigte extrahierte DNA, dass Beethoven zwei Kopien einer bestimmten Variante des Gens PNPLA3 hatte, das mit Leberzirrhose in Verbindung gebracht wird. Warum Beethoven taub war, bleibt aber weiterhin unklar – wer weiß jedoch, wie lange.

Zitat Icon

„Die Methodik stammt aus der Archäogenetik, die für Haarschäfte adaptiert wurde.“

Walther Parson

„Krone“: Herr Professor, wie wird so ein Haar untersucht?
Walther Parson: Die Kollegen konnten die gesamte DNA-Sequenz, also das volle Erbgut, aus den in etwa 200 Jahre alten Haarschäften entschlüsseln. Eine großartige technische Leistung. Die Methodikstammt aus der Archäogenetik, zum Beispiel der DNA-Untersuchung von Neandertalern, die spezifisch für Haarschäfte adaptiert wurde.

Läuft das Tun ab wie bei der US-Serie „CSI“ im TV?
Im Groben entsprechen die Darstellungen der Realität, im Detail gibt es jedoch starke Unterschiede.

Wie lange dauert es, um Rückschlüsse bei einer Haarschaftuntersuchung festzumachen?
Die Analyse hat sicher Monate in Anspruch genommen.

Prof. Dr. Walther Parson von der Med-Uni Innsbruck
 (Bild: Birbaumer Johanna)
Prof. Dr. Walther Parson von der Med-Uni Innsbruck

Wie groß muss eine DNA-Probe zu sein?
Seit zwei Jahrzehnten genügen mit freiem Auge nicht sichtbare Gewebemengen.

Welche war die älteste DNA-Probe, mit der Sie gearbeitet haben?
Die älteste genetische Identifikation ist jene von König Richard III, der 1485 ums Leben kam und über DNA heute lebender Personen identifiziert wurde. Die älteste DNA-Probe, die wir analysiert haben, ist ca. 8000 Jahre alt.

Hand aufs Herz, wessen DNA würden Sie gerne noch unter die Lupe nehmen?
Mich interessieren technologische Aspekte der DNA-Analyse, die wir laufend zu verbessern versuchen. Das dient der Verbrechensbekämpfung. Den Proben, die wir untersuchen, stehe ich leidenschaftslos gegenüber.

 Kronen Zeitung
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