Aufreger-Potenzial

Gendern, ja sicher – aber bitte mit Hausverstand

Oberösterreich
29.12.2022 08:00

Statt Bote „überbringende Person“, statt Autor „literaturschaffende Person“, statt Gast „Besuchsperson“? Das Wörterbuch zu einem neuen Genderleitfaden im Land Kärnten hat dieser Tage mit solchen Umbenennungen und vielen weiteren Beispielen für Aufregung und dann für einen Rückzieher gesorgt. Wie schaut’s denn da beim Land Oberösterreich aus?

Gibt’s bei uns auch so einen als „Genderwahnsinn“ eingestuften Leitfaden? Nun ja, eine Richtschnur für „geschlechtergerechtes Formulieren“ gibt es tatsächlich – in der aktuellen Version seit Oktober 2018. Doch er ist vom Kärntner Modell weit entfernt, nämlich eher vom typisch oberösterreichischen Hausverstand geprägt. Auch wenn sich darin auf Seite 18 ein Hinweis und ein Link auf ein Genderwörterbuch in Deutschland (geschicktgendern.de) finden, aus dem sich die Kärntner womöglich bedient haben könnten.

„Redepult“ statt „RederInnenpult“
Ein kleines Wörterbuch ist auch im oberösterreichischen Leitfaden enthalten, aber es ist vergleichsweise banal und greift oft einfach aufs Binnen-I zurück. Das „Redepult“ statt Rednerpult ist da schon der revolutionärste Gender-Vorschlag.

„Wir müssen alle Geschlechter nennen“
„Die Kärntner haben es übertrieben“, meint Oberösterreichs Gleichstellungsbeauftragte (für das Land und neuerdings auch die 438 Gemeinden) Heidi Bräuer, die auch ein Vorwort zum Leitfaden von 2018 verfasst hat. Dort heißt es: „Wenn wir wollen, dass sich Menschen in ihrer Verschiedenheit angesprochen fühlen, müssen wir alle Geschlechter nennen, in gesprochener und geschriebener Form. In der deutschen Sprache sind die Möglichkeiten passend zu formulieren sehr vielfältig.“

Zitat Icon

Gendern ist wichtig, modern und zeitgemäß - und es muss sein. Aber man darf es damit nicht übertreiben.

OÖ Gleichstellungsbeauftragte Heidi Bräuer

Und nun kommt der Doppelpunkt in die Wörter
Allerdings sind die Möglichkeiten auch schnelllebig: Nächstes Jahr wird der oberösterreichische Leitfaden überarbeitet. Kommt dann der Stern oder der Doppelpunkt als Merkmal des geschlechtsvielfältigen Genderns in die Wörter der Landesbediensteten? „Ich verwende eigentlich nur den Doppelpunkt“, sagt Gleichstellungsbeauftragte Bräuer. Das sei auch das für Sehbeeinträchtigte und Blinde am meisten barrierefreie diesbezügliche Zeichen, weil über Screenreader und Braillezeile gut lesbar. Beim amtlichen Gendern muss man ja auch daran denken!

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