Weniger Orte sicher

Klima-Alarm! Olympia-Boss zittert um Winterspiele

Wintersport
21.12.2022 09:40

Die Folgen des Klimawandels für den Wintersport sind für IOC-Präsident Thomas Bach „alarmierend“. Bis 2050 würden „zwischen 50 und 60 Prozent der einstigen Wintersport-Gebiete in Europa, die als schneesicher gegolten haben und für Olympische Spiele geeignet sind, nicht mehr existieren“, sagte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Diese Regionen würden mit diesem Wissen auch nicht mehr in den Schnee- und Eissport investieren, sondern eher auf andere Einnahmequellen wie Wanderer und Mountainbiker setzen. Damit werde die Zahl der Orte, die Weltmeisterschaften und Winterspiele ausrichten könnten, erheblich schrumpfen. Hinzu komme, dass sich die Winter mit dem Klimawandel verkürzen werden. „Das wirft dann die Frage auf, wie viel Zeit bleibt für einen Weltcup, eine WM, Olympische oder Paralympische Spiele“, sagte Bach. Faktoren wie diese könnten auch Auswirkungen auf das Format und das Programm der Winterspiele der Zukunft haben.

Das IOC hatte jüngst die für das nächste Jahr geplante Vergabe der Winterspiele 2030 auf 2024 verschoben. Grund dafür war nach Angaben des Dachverbands auch, dass sich die zuständige Auswahl-Kommission zunächst intensiver mit Experten und Verbänden über die Folgen der Erderwärmung und einen nachhaltigen Wintersport beraten soll.

Thomas Bach (Bild: AFP or licensors)
Thomas Bach

Bachs IOC drohen für das Premiumprodukt Winterspiele die möglichen Gastgeber auszugehen, der Ringe-Zirkel hat daher einen Notfallplan aktiviert. Für die Zukunft wird ein Rotationsmodell diskutiert. Winterspiele könnten dann abwechselnd nur noch in wenigen Orten mit existierenden Wettkampfstätten und garantiert frostigem Wetter stattfinden.

Bei den jüngsten Beratungen der IOC-Spitze hatten die Mitglieder der Exekutive intensiv über einen nachhaltigen Wintersport debattiert. Der Beschluss: Die Kommission für die Auswahl künftiger Spiele-Gastgeber soll sich mehr Zeit nehmen, um mit Verbänden und Wissenschaftern die Folgen der Erderwärmung für den Vergabeprozess von Winter-Olympia zu diskutieren. Im Gespräch ist unter anderem, dass Bewerber künftig über einen Zeitraum von zehn Jahren im klassischen Olympia-Monat Februar Temperaturen unter dem Gefrierpunkt nachweisen müssen.

Eine Gruppe von Forschern hatte zuletzt ermittelt, dass die meisten der bisherigen Ausrichter von Winterspielen am Ende des Jahrhunderts keine zuverlässig fairen und sicheren Bedingungen für Olympia mehr bieten könnten. „Selbst eine emissionsarme Zukunft kann nicht mehr verhindern, dass viele ehemalige Austragungsorte künftig wohl nicht mehr für die Winterspiele infrage kommen“, sagte Tourismusforscher Robert Steiger von der Universität Innsbruck.

Als ernsthafte Kandidaten für Olympia 2030 waren zuletzt wohl nur noch Sapporo und Salt Lake City übrig geblieben. Vancouver scheint aus dem Rennen, nachdem die Provinz British Columbia einen Milliarden-Zuschuss verweigert hat.

Sapporo indes kämpft mit den Nachwehen der umstrittenen Corona-Spiele in Tokio und einem Korruptionsskandal um die jüngsten Sommerspiele in Japan. Bürgermeister Katsuhiro Akimoto kündigte daher an, man werde bei den Bemühungen um die Spiele erst einmal eine Pause einlegen und die internen Abläufe prüfen. Salt Lake City will eigentlich erst 2034 Gastgeber sein, da 2028 in Los Angeles schon eine US-Metropole die Sommer-Ausgabe veranstaltet.

Die Frage ist, ob der Klimawandel und die Angst vor einem Milliardengrab langfristig genug Interessenten für das winterliche Mega-Spektakel übrig lassen. Zumindest ein neuer potenzieller Mitspieler ist dem IOC dabei allerdings wohl gar nicht so recht. Saudi-Arabien will bis 2026 ein gigantisches Berg-Resort mitten in der Wüste erschaffen. 2029 sollen dort die asiatischen Winterspiele steigen. Das IOC beteuerte, zu diesem Projekt nie gefragt worden zu sein.

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