„Teilweise Willkür“

Verlegung Hunderter Lehrlinge stößt auf Kritik

Kärnten
05.11.2022 06:00

Kein Stein bleibt auf dem anderen: Die Umsetzung des neuen Konzeptes für die Berufsschulen in Kärnten geht in die zweite Etappe. Kritiker warnen allerdings davor, dass dadurch die Lehre an Attraktivität verlieren könnte.

Seit 2015 ist in Kärnten ein Reform-Prozess im Gange, der versucht, das Problem der sinkenden Lehrlingszahlen aufzugreifen. Denn waren es 2010 noch etwa 10.000 junge Menschen, die sich für eine Lehre entschieden haben, sind es heuer nur noch etwa 7400. Diese Entwicklung stellt auch die acht Berufsschulstandorte vor Herausforderungen, vor allem beim Thema Ausbildungsinfrastruktur. Diese wird nämlich unter anderem aufgrund des technologischen Fortschrittes immer teurer.

Zitat Icon

Um das Ausbildungsangebot in den Kärntner Fachberufsschulen entsprechend zu modernisieren, wurde ein umfassender Reformprozess eingeleitet.

Andreas Schäfermeier, Pressesprecher von Landeshauptmann Peter Kaiser

Gemeint ist damit eine rochadeartige Verlegung der Lehrlinge, um Berufsgruppen zu bündeln und an den Berufsschulstandorten Kompetenzzentren zu schaffen. „Jeder Standort soll dann über zumindest einen zukunftsfähigen Schwerpunkt verfügen“, so Schäfermeier weiter.

Lehrlings-Rochade erntet auch heftige Kritik
Die Berufschule Villach 1 soll zum KFZ- und Technologiestandort, St. Veit zum IT/EDV und Finanzzentrum werden. Der Standort Ferlach soll in die Villacher Berufsschule integriert werden. Maschinenbauer und Metaller werden in Wolfsberg gebündelt, Klagenfurt bekommt zwar alle Friseur-, Tischler und Elektronik-Lehrlinge, muss aber viele Berufsgruppen an andere Standorte abgeben.

Laut dem Klagenfurter Berufsschuldirektor Paul Korak verlängert das nicht nur die Wege, sondern führe auch zur „Aushöhlung der Landeshauptstadt“. „Nach den Verlegungen haben wir in Klagenfurt nur noch rund 1500 Schüler - das ist sehr wenig!“

WKK-Spartenobmann Martin Zandonella hat berechnen lassen, wie sich die Wege für IT-Lehrlinge verändern. Sie sollen mit dem Schuljahr 2023/24 von Klagenfurt nach St. Veit verschoben werden. „Die Wegzeiten verdoppeln sich, viele werden einen Heimplatz brauchen. Als Antwort auf meine Kritik hieß es, das sei zumutbar.“ Zusätzliche Heimplätze müssten erst gebaut werden.

Zitat Icon

Die Verlegung der IT-Lehrlinge scheint teilweise willkürlich. Auf Kritik seitens der Kammer wurde nicht eingegangen!

Martin Zandonella, Spartenobmann WKK

Investitionskosten in Millionenhöhe
„Die Sanierung der Schulen in Villach und Klagenfurt kostet 60 Millionen“, bestätigt Schäfermeier. In Völkermarkt und St. Veit müssen die Lehrlingsheime ausgebaut, in Villach ein neues errichtet werden. „Die längeren Wegzeiten oder die Notwendigkeit im Heim zu übernachten, machen die Lehre unattraktiv.“, so Zandonella.

Zwischen den zwei Etappen fand eine Evaluierung statt. Zwar heißt es, es wären alle Berufsschuldirektoren, Sozialpartner, Innungsmeister und Bürgermeister in den Prozess involviert gewesen, Zandonella meint aber: „Evaluiert haben nur die Direktionen.“ Für Kritik zeigt man wenig Verständnis: „Ein Aufschnüren des Gesamtkonzeptes kommt nicht infrage“, so Schäfermeier.

Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
explore
Neue "Stories" entdecken
Beta
Loading
Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).



Kostenlose Spiele