28.09.2022 11:55 |

krone.at-Kolumne

Kommt jetzt das Comeback der Rechten?

Das Wahlergebnis in Italien hat gezeigt, dass rechte Parteien in Europa nach einigen Rückschlägen wieder zurück sind. Für ihr Comeback haben sie sich neu formiert: Sie sind radikaler und kompromissloser. Können sie so wieder an vergangene Erfolge anknüpfen?

Artikel teilen
Drucken
Kommentare
0

Es ist noch gar nicht allzu lange her, dass sich Experten und Wissenschaftler mit der Frage beschäftigt haben, wie weit der Rechtsruck in Europa um sich greifen wird. Wir erinnern uns: die große Flüchtlingskrise 2015 bescherte den rechten Parteien satte Stimmenzuwächse, Kritik an einer großzügigen Asylpolitik wurde salonfähig und Politiker, die sich als heimattreue Christen outeten, plötzlich wählbar. Doch dann kamen die ersten Enttäuschungen, Rückschläge und - in Österreich - Ibiza.

Rechte hatten keine leichte Zeit
Die FPÖ hatte danach wahrlich keine leichte Zeit, der Zauber der Regierungsfähigkeit der Blauen war mit einem (oder wohl mehr) Vodka-Red-Bull verflogen. Auch in Deutschland musste die AfD zuletzt herbe Rückschläge bei Landtags- und Kommunalwahlen hinnehmen, in Schleswig-Holstein flogen sie sogar aus dem Landtag. Und in Frankreich blieb die rechte Vorkämpferin Marine Le Pen trotz aller Parolen aus der rechten Trickkiste weit hinter den Erwartungen.

Wozu braucht es die Rechten noch?
Das Problem: das ewige Drehen an der Populismus-Schraube funktionierte nicht mehr, das Spiel mit dem Tabubruch war fad und berechenbar geworden. Wenn selbst konservative Parteien gegen Zuwanderung poltern - wozu braucht es die Rechten dann noch? Dass die Flüchtlingskrise von Corona und Krieg überlagert wurde, hat ihnen auch nicht geholfen. Da half auch der Versuch nichts, im Teich der extremen Randgruppen zu fischen.

Italien zeigt Neuerfindung vor
Nun aber scheint eine neue Zeit für Europas Rechte angebrochen zu sein. Der Wahlerfolg von Giorgia Meloni in Italien zeigt vor, dass es fahrlässig ist, Rechts vorzeitig für tot zu erklären. Mehr noch: es scheint, dass sie sich gerade neu erfinden. Statt auf Kreide und Regierungsfähigkeit setzt man nun wieder auf aggressive Wutreden. Eine klare Abgrenzung zur faschistischen Vergangenheit? Italien zeigt: Es geht auch ohne! Und immer mit dabei: das Spiel mit einem EU-Austritt. Und es scheint zu funktionieren.

Radikal sein zahlt sich aus
Das könnte auch anderen rechten Parteien in Europa als Vorbild dienen. In Zeiten, in denen unsere Gesellschaft von Haus aus schon tief gespalten ist, macht es strategisch nur Sinn, sich noch extremer zu positionieren. Ob uns diese Radikalität in eine bessere Zukunft führen kann? Das ist zu bezweifeln, aber darum wird es den Polterern nicht gehen.

explore
Neue "Stories" entdecken
Beta
Loading
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Kommentare lesen mit
Jetzt testen
Sie sind bereits Digital-Abonnent?
(Bild: stock.adobe.com, Krone KREATIV)



Vorteilswelt

Alle Magazine der Kronen Zeitung