Vier Tage nach Bekanntwerden der finanziellen Schieflage des Energieunternehmens Wien Energie versuchen Experten immer noch, die Hintergründe der Vorgänge zu beleuchten. E-Control-Chef Wolfgang Urbantschitsch drängt nun auf eine Art Stresstest für Energieunternehmen, damit man rechtzeitig auf kommende Probleme reagieren könne.
„Wenn man solche Geschäfte eingeht, wäre zu erwarten, dass man sie anpasst“, analysierte der Energieexperte am Donnerstag in der ORF-„ZiB 2“ das Geschäftsmodell der Wien Energie. Aufgrund der massiv gestiegenen Energiepreise musste das Unternehmen zuletzt enorme Beträge als Sicherheit für die Energiebörse hinterlegen.
Wien Energie hätte früher reagieren können
Inbesondere der enorme Preisanstieg am vergangenen Freitag brachte schließlich das Fass zum Überlaufen. Laut Urbantschitsch hätte man bereits im Vorfeld reagieren können, dies hätten andere Marktteilnehmer auch gemacht, um ihr Risiko zu minimieren. So wäre es etwa möglich gewesen, sich teilweise vom Börsenhandel zurückzuziehen, so Urbantschitsch.
Ohne Kredite hätte Blackout gedroht
Der Experte betont dabei aber auch die Notwendigkeit, dass Staat und die Stadt mittels Krediten nun die Liquidität des Unternehmens gesichert haben. Wären diese Sicherheitsleistungen nämlich nicht erbracht worden, wäre Wien Energie vom Börsenhandel ausgeschlossen worden - und das hätte unmittelbar zu Versorgungsengpässen für rund zwei Millionen Kunden führen können.
Derzeit gebe es keine weiteren Hinweise auf finanzielle Schwierigkeiten bei anderen heimischen Energieunternehmen, so Urbantschitsch. Dennoch tritt er dafür ein, diese - ähnlich dem Bankenwesen - einem Stresstest zu unterziehen. Sollten sich dabei Probleme zeigen, könne man schließlich rechtzeitig darauf reagieren und vorsorgen.
Bringt EU-Gipfel lang ersehnte Entspannung?
Mittlerweile sei der Strompreis bereits wieder deutlich gesunken - er liegt aber nach wie vor auf sehr hohem Niveau. Hoffnung hegt Urbantschitsch nun auf den EU-Gipfel am 9. September in Brüssel - da beraten die EU-Energieminister über einen möglichen Eingriff in den Energiemarkt: „Ich bin zuversichtlich, dass es hier zu einer Lösung kommen wird, die tatsächlich preisdämpfend wirkt“, so der Experte optimistisch.









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