22.07.2022 15:00 |

Ob Nutzer oder nicht

Facebook kann Hälfte aller Web-Aktivitäten tracken

Dass Facebook und andere soziale Netzwerke die Internetaktivitäten vieler Menschen verfolgen und speichern können, und zwar unabhängig davon, ob diese dort angemeldet sind oder nicht, ist bekannt. Forscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin konnten nun jedoch gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universitäten Zürich, Lausanne und Yale erstmals aufzeigen, wie groß der Anteil der beobachtbaren tatsächlichen Internetaktivität ist und auf welche Weise die gesammelten Daten genutzt werden können.

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Für die Studie berechneten die Ökonomen auf Basis der Nutzerdaten von knapp 5000 Menschen, welche Daten Facebook theoretisch speichern könnte. Ihr Ergebnis: Bis zu 52 Prozent der von den untersuchten Personen besuchten Seiten - das entspricht etwa 40 Prozent der im Internet verbrachten Zeit - könnten mit den technischen Möglichkeiten der Plattform nachvollzogen werden.

„Weil die Unternehmen kaum Auskünfte darüber geben, welche Algorithmen sie verwenden, kann niemand mit Sicherheit sagen, welche Daten wirklich gespeichert und genutzt werden“, erklärt Hannes Ullrich, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Unternehmen und Märkte des DIW Berlin. „Unsere Untersuchung zeigt aber, dass die technischen Grundlagen dafür, einen großen Teil der Internetaktivität zu beobachten, bei Online-Plattformen vorliegen.“

Die beobachteten Internetverläufe eigneten sich demnach, individuelle Konsumentenprofile zu erstellen. Für die Unternehmen sei dies attraktiv, weil sie so zielgerichtet geschaltete Werbung an Anbieter von Produkten und Dienstleistungen verkaufen könnten.

Schattenprofile
Besonders problematisch: Auch die Internetaktivitäten von Menschen, die die Dienste selbst gar nicht nutzen, könnten erfasst werden. Um Konsumentenprofile zu erstellen, benutzen die Plattformen sogenannte Tracker, die zum Beispiel über Like-, Share- oder Login-Buttons automatisch geladen werden - unabhängig davon, ob die erfasste Person selbst bei der Plattform angemeldet ist oder ob dieser Button geklickt wird. So könnte Facebook die von seinen Nutzern besuchten Seiten mit den bei Facebook hinterlegten Nutzerdaten verknüpfen und Rückschlüsse auf andere Besucher dieser Seiten ziehen.

Die Studie zeigt, dass mit dieser Methode demografische Eigenschaften wie Alter, Geschlecht oder das Bildungsniveau von Nicht-Nutzern der Plattformen mit bis zu 65-prozentiger Sicherheit korrekt geschätzt werden können. „Auch die Internetaktivität von Menschen, die selbst nicht auf den Plattformen angemeldet sind, kann beobachtet werden“, so Studienautor Ullrich. „Durch den Vergleich mit Daten von angemeldeten Personen können auch über sie Konsumentenprofile angelegt werden, die die Plattformen oder Dritte für gezielte Werbung nutzen können.“

Aufsichtsbehörden müssen angemessen ausgestattet werden
Theoretisch können Internetnutzer zwar seit der Einführung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) dem Speichern von Trackern bei der bekannten Cookie-Abfrage auf Webseiten widersprechen, bisherige Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass nur wenige von dieser Möglichkeit Gebrauch machen.

„Die aktuell von der Europäischen Kommission geplanten Neuregelungen im Digital Markets Act und im Digital Services Act könnte Verstöße gegen Datenschutzrichtlinien stärker sanktionieren“, prognostiziert Ullrich. „Damit die Regeln aber auch umgesetzt werden können, braucht es eine angemessene personelle Ausstattung der Aufsichtsbehörden.“

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