„Eine Katastrophe“

ÖSV-Seriensieger schockt mit Karriereende

Vorarlberg
15.07.2022 07:25

„Veni, vidi, vici!“ So lässt sich Mathias Grafs Einstieg bei den Skicrossern im letzten Winter am trefflichsten beschreiben. Nach seinem Wechsel von den Alpinen dominierte der Vorarlberger den Europacup (fast) nach Belieben, gewann acht Rennen, fuhr neunmal aufs Podest und sicherte sich mit dem Sieg in der Gesamtwertung ein fixes Weltcupticket für die kommende Saison. Doch die wird der 26-Jährige maximal vor dem Fernseher verfolgen.

Der Grund: Graf beendet mit sofortiger Wirkung seine Karriere. „Es geht sich bei mir finanziell einfach nicht mehr aus“, erklärt der Dornbirner im „Krone“-Gespräch. „Ich war als Alpiner in der glücklichen Lage, vier Jahre lang als Heeressportler gefördert und versichert zu werden“, ist der Kästle-Pilot dankbar. „Nach Auslaufen dieses Vertrags, bekam ich letztes Jahr noch 80 Prozent meines Solds als berufsfördernde Maßnahme.“ Das ist jetzt auch vorbei.

Graf, der seit Kindesbeinen davon träumte, Polizist zu werden, hatte sich zuletzt um einen der heiß begehrten Ausbildungsplätze als Polizei-Spitzensportler beworben. „Da habe ich am Mittwochnachmittag jedoch eine Absage erhalten“, verrät er. „Für mich war schon länger klar, dass ich aufhören werde, wenn das nicht klappt. Das habe ich dem Skiverband so auch deutlich kommuniziert. Darum kann man mir jetzt nicht vorwerfen, die Entscheidung meine Karriere zu beenden, sei aus der Emotion heraus getroffen worden und einfach eine Kurzschlusshandlung.“

Das beweist nicht zuletzt die Tatsache, dass sich Graf, der in der neuen Saison Mitglied des ÖSV-A-Kaders gewesen wäre, bis Mittwoch intensiv auf den WM-Winter 2022/23 vorbereitet hat. „Mit Blickrichtung Olympia 2026 in Mailand wollte ich mich in den nächsten vier Jahre komplett reinhauen“, gesteht Mathias. Doch daraus wird nun nichts.

„Die Entscheidung ist für uns eine Katastrophe“, kommentiert Markus Gutenbrunner, erst seit wenigen Wochen der Skicrossverantwortliche im ÖSV, die Nichtberücksichtigung von Mathias Graf für den Polizei-Spitzensportkader. „Als Verband haben wir aber keinen Einfluss auf eine Entscheidung des Innenministeriums.“ Kampflos aufgeben und mit Graf eines seiner eventuell heißestes Eisen im Kampf um Weltcuperfolge und Olympia 2026 in „Pension“ gehen lassen, will er aber nicht. „Wir werden alles dafür tun, um für Mathias eine Lösung zu finden.“

Ex-Slalomass Reinfried Herbst ist als Spitzensportkoordinator im Innenministerium für die Polizeisportler zuständig. „Mathias ist auf einem grandiosen Weg, allerdings hatten wir so viele Bewerber, die bereits auf höherem Niveau große sportliche Erfolge feiern konnten“, erklärt der Salzburger. „Ich hoffe darauf, dass Mathias weiterfährt. Denn sollte er die Erfolge, die man nach der letzten Saison erwarten darf, im Weltcup abliefern, hat er in Zukunft sehr gute Chancen bei der Polizei.“

Einer, der im letzten Winter sehr intensiven Kontakt mit Graf hatte, ist sein ÖSV-Kollege Max Jagg. „Auf der einen Seite kann ich ihn verstehen. Er ist kein Mittelklasseläufer und sollte auch nicht so behandelt werden. Andererseits hätte er es noch eine Saison versuchen können“, sagt der Hohenemser, der nach einer bösen Knieverletzung auf dem Weg zurück ist. „Sein Rücktritt ist auf jeden Fall ein Schlag für den gesamten österreichischen Skicrosssport."

Dafür darf sich die Vorarlberger Polizei freuen, denn zu der will Graf auf jeden Fall: „Ich bin jetzt für die ,normale’ Ausbildung angemeldet und hoffe darauf, am 1. Dezember damit starten zu dürfen.“ 

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